Frieder Mauch
Dr. Frieder Mauch ist Chefarzt der Klinik für Ellenbogen- und Schulterchirurgie der Sportklinik Stuttgart. ©Nils Schubert

[ANZEIGE]: In der Sportklinik Stuttgart gehen nicht nur Spitzensportler ein- und aus, die Klinik ist auch für andere Patienten geöffnet. Im Interview erzählt Dr. Frieder Mauch wie ein Aufenthalt abläuft. 

Herr Dr. Mauch, Sie leiten die Klinik für Schulter und Ellenbogenchirurgie der Sportklinik Stuttgart, in der Sportler des Fußballbundesligisten VFB Stuttgart und des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart betreut werden. Behandeln Sie auch „normale Patienten“? 

Dr. Mauch: Wir sind eine Sportklinik und behandeln viele Sportler, aber es kommen natürlich auch viele andere Patienten zu uns, die genauso versorgt werden wie die Sportler.

Ihre Klinik hat einen sehr guten Ruf und wird in der jüngsten Recherche von Klinik Kompass als Topklinik im Bereich der Schulterchirurgie geführt. Wie lange wartet man als Kassenpatient auf einen Termin?

Dr. Mauch: Bei einem elektiven Eingriff gibt es eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen. Wenn es ein Notfall ist, zum Beispiel bei einer Fraktur oder einen höhergradigen Sehnenabriss, wird sofort behandelt.

Ist eine Operation immer der letzte Schritt, welche alternativen Therapien gibt es?

Dr. Mauch: Die Operation ist immer der allerletzte Schritt, es sei denn es handelt sich um einen Notfall. Je nachdem, worunter der Patient leidet, denken wir auch über alternative Therapieformen nach. Es kann zum Beispiel sein, dass der Schleimbeutel im Schultergelenk entzündet ist, dann behandeln wir mit Cortison, Hyaluronsäure oder Eigenblut. Die Physiotherapie ist selbstverständlich ebenfalls ein wichtiger Pfeiler, um konservativ zu behandeln.

Zu Ihnen kommen hunderte Menschen im Jahr, die an chronischen Schulterschmerzen leiden. Grund ist oft ein Riss der Rotatorenmanschette. Was erwartet den Patienten, wenn er mit diesem Leiden zu Ihnen in die Sprechstunde kommt?

Dr. Mauch: Die Patienten werden in der Sprechstunde zunächst umfassend aufgeklärt, welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Wenn wir operieren, liegen die Patienten nach der Operation zwei, bis drei Nächte hier im Krankenhaus, damit wir die postoperative Schmerzbehandlung machen können. Es handelt sich bei dem Riss der Rotatorenmanschette um eine recht schmerzhafte Operation, weil die Sehnen viele Schmerzrezeptoren haben. Zu 90 Prozent operieren wir minimalinvasiv, behandeln die Sehnenrisse also durch eine Schlüsselloch-Operation. Hier haben wir aufgrund der hohen Patientenzahlen eine große Expertise.

Was ist der wesentliche Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens? Warum wird es häufig angewendet?

Dr. Mauch: Es gibt zwei wichtige Gründe. Man kann die Diagnostik vor der Operation verfeinern, weil man sich dank der kleinen Kamera, die in die Schulter eingeführt wird, einen besseren Überblick über den Riss verschafft. Außerdem muss man bei einem minimalinvasiven Eingriff nicht den Muskel an der Schulter durchschneiden, sodass der Muskel nicht, oder kaum verletzt wird. Dadurch sind die Schmerzen für den Patienten in der Akutrehabilitation geringer.

Gibt es auch einen Nachteil der minimalinvasiven Kameraoperation?

Dr. Mauch: Es gibt keinen Nachteil, wenn sie die Kameraoperation nicht überfordern. Bei manchen Krankheitsbildern oder Verletzungen bietet sich ein minimalinvasiver Eingriff nicht an. Dann muss offen operiert werden. Es ist wichtig, genau das Verfahren zu wählen, mit dem das Optimum für den Patienten herausgeholt wird.

Kann man sich in der Sportklinik Stuttgart aussuchen, von wem man operiert wird?

Dr. Mauch: Als Kassenpatient hat man, rein theoretisch, nicht die freie Arztwahl und kann es sich nicht aussuchen. Aber bei uns ist es so, dass die Sprechstunde von dem Arzt durchgeführt wird, der dann auch operiert. Privatpatienten haben die Arztwahl und können von mir operiert werden.

In Ihre Sprechstunde kommen Spitzensportler, die sehr sensibel sind, weil ihre Leistungsfähigkeit von einem gesunden Körper abhängt. Unterscheidet sich die Aufklärung von Spitzensportlern und „normalen“ Patienten?

Dr. Mauch: Nein, wir beraten Sportler sehr genau, nehmen uns für ältere Patienten aber genauso viel Zeit. Zum Beispiel ist es bei manchen Patienten mit Schulterarthrose ratsam, eine Prothese einzusetzen. Dies ist ein großer Schritt, der genau überlegt sein soll. Wenn sich der Patient für eine Schulterprothese entscheidet, können wir auf einem hohen Niveau versorgen. Wir setzen pro Jahr über hundert Schulterprothesen ein.

Einige Behandlungen Ihres breiten Therapiespektrums haben Sie bereits angesprochen. Gibt es auch Krankheiten an Schulter oder Ellenbogen, die Sie nicht behandeln?

Dr. Mauch: Wir sind seit 2019 von der Deutschen Vereinigung Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) als Schulter- und Ellenbogenklinik zertifiziert. Es gibt nur sehr wenige Kliniken, die dieses Zertifikat erhalten haben. Wir sind so spezialisiert, dass wir keinen Patienten abweisen. Es sei denn, er ist so krank, dass er eine längere Intensivbetreuung auf Intensivstation benötigt. Diese haben wir nicht.

Wie läuft ein Aufenthalt in der Sportklinik normalerweise ab? Welchen Patienten empfehlen Sie eine ambulante Behandlung, wer kommt besser stationär?

Dr. Mauch: Die kleineren Operationen machen wir ambulant, hier folgen wir den gesetzlichen Vorgaben. Das heißt, der Patient wird ambulant operiert und geht am Mittag wieder nach Hause. Es gibt Patienten, die wünschen eine ambulante Operation, weil sie Angst vor dem Krankenhaus haben. Auch diese Patienten bekommen die ambulante Operation, wenn es medizinisch vertretbar ist. Aber es gibt auch Patienten, die ein oder zwei Tage stationär aufgenommen werden möchten. Diesen Wunsch kommen wir ebenfalls nach. Entweder es zahlt die Kasse, oder die Patienten bezahlen den Aufenthalt durch einen geringen Aufpreis selbst.

Gibt es Besonderheiten, die wegen der Corona-Pandemie beachtet werden müssen?

Dr. Mauch: Man kann sagen: Es ist nichts mehr wie vorher. Es hat sich im Ablauf alles geändert. In einem ersten großen Schritt im März 2020 haben wir unsere Sprechstunden auf 13 Stunden am Tag verlängert, damit wir nicht so viele Patienten gleichzeitig in der Klinik haben. Dann ging es sukzessive weiter. Es ist ganz klar, dass die Patienten, die hier sind, 48 Stunden vor der Operation getestet werden. Bei einem negativen Testergebnis werden sie stationär aufgenommen. Notfallpatienten testen wir mit einem Schnelltest.

Nach der Aufnahme in der Klinik werden die Patienten von Ihnen oder einem Arzt aus Ihrem Team betreut. Es sind, nicht nur in Coronazeiten, lange Arbeitstage. Was treibt Sie an?

Dr. Mauch: Wenn ein Sportler nach einer längeren Verletzung wieder spielen kann oder ein Patient, der kein Spitzensportler ist, wieder einen schmerzfreien Alltag erleben darf, freuen wir uns. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen von dankbaren Patienten. Darüber freuen wir uns sehr.


Priv. Doz. Dr. Frieder Mauch leitet als Chefarzt seit 2015 die Klinik für Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Sportklinik Stuttgart. Er hat an der Universität Tübingen in einem Doppelstudium Medizin und Sport studiert und seinen Facharzt für Orthopädie an der Sportklinik Stuttgart und am Olgahospital Stuttgart gemacht. Im Jahr 2016 wurde er an der Klinik für Unfallchirurgie der Universität Ulm im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie habilitiert. 

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Sportklinik Stuttgart.