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Hunderte von Patientenvermittlern bieten ausländischen Patienten ihre Hilfe bei der Behandlung in Deutschland an. Allerdings gibt es viele schwarze Schafe. Was bei der Auswahl wichtig ist.

80 bis 90 Prozent der Vermittler arbeiten unseriös, schätzte ein russischsprachiger Patientenvermittler vor einigen Jahren in einem Interview mit dem deutschen Radiosender Deutschlandfunk. Unseriös bedeutet dabei nicht nur, dass falsche Rechnungen ausgestellt und zu hohe Beträge abgerechnet werden. Auch wenn ein Agent auf seiner Website immer die gleichen Praxen oder Krankenhäuser empfiehlt, sollte man sich die Auswahl ganz genau erklären lassen. Denn es kann sein, dass der Vermittler mit manchen Praxen oder Kliniken Kooperationsverträge abgeschlossen hat. Dann vermittelt er die Patienten lieber zu einem Kooperationspartner, anstatt einen Experten für die jeweilige Erkrankung zu suchen, der ihm dann womöglich keine Vermittlungspauschale zahlt. Offiziell ist es in Deutschland nämlich verboten, dass niedergelassene Ärzte oder Krankenhäuser für die Zuweisung von Patienten bezahlen. Ein dritter Punkt ist die fehlende Expertise vieler Vermittler. In Deutschland gibt es kein Zertifizierungssystem. Das heißt, jeder kann zum Patientenvermittler werden. Dass man, um dieser verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen, aber nicht nur sehr genau und gut übersetzen muss, sondern auch ein Insider des Gesundheitssystems sein sollte, vergessen viele.

3 Tipps zur Wahl

Generell ist es ratsam, sich vor der Behandlung mehrere Kosteneinschätzungen einzuholen, um die Angebote vergleichen zu können. Das heißt, Sie fragen bei mindestens zwei Vermittlern an und bitten um eine Kostenvoranschlag. Weichen die Rechnungen sehr voneinander ab, so stimmt etwas nicht. Zudem sollten Sie selbst wählen dürfen, in welchem Krankenhaus oder in welcher Praxis Sie behandelt werden möchten. Denn so sind Sie sicher, dass es sich bei dem Krankenhaus oder der Praxis auch um die für Sie bestmögliche Wahl handelt. Drittens ist es empfehlenswert einen Patientendienstleister zu wählen, der schon länger tätig ist und den Medizinmarkt in Deutschland exzellent kennt. Aber Achtung: Auch große Patientendienstleister mit vielen Angestellten, die lange am Markt agieren, wirtschaften manchmal nicht korrekt.

International Units der Kliniken

Die großen Krankenhäuser haben inzwischen International Units eingerichtet, die in den wichtigsten Sprachen, für gewöhnlich Englisch, Arabisch und Russisch, beraten. Trotz dieses mehrsprachigen Beratungsangebots gibt es in den meisten Häusern jedoch kein umfassendes Betreuungsangebot. Bei der Übersetzung, der Organisation der medizinischen Visa oder der Planung der Anreise, ist man oft auf eine (vertrauenswürdige) Agentur angewiesen. Einige wenige Kliniken bieten aber bereits das komplette Betreuungsangebot an. Schreiben Sie uns, wenn Sie wissen möchten, welche Fachkliniken nicht nur Ihre medizinische Behandlung, sondern auch die Organisation vor Ort übernehmen.

Gute Vermittler meinen es ernst

Darauf sollten Sie bei der Wahl eines Patientenvermittlers achten: 

  • Fachliche Begründung der Klinikwahl/Praxiswahl.
  • Transparenter Kostenvoranschlag. Holen Sie sich im Zweifelsfall eine Zweitmeinung ein.
  • Ausgewiesene Expertise bei der Übersetzung und Betreuung vor Ort.

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