Prof. Dr. Christian Taube

„Würden morgen alle Menschen mit dem Rauchen aufhören, hätten wir in den nächsten 30 Jahren dennoch eine hohe Anzahl an COPD-Patienten“, sagt Prof. Dr. Taube. Er muss es wissen, denn an seiner Fachklinik werden deutschlandweit die meisten Patienten mit COPD behandelt.

Bereits als junger Mediziner hat sich Prof. Dr. Christian Taube in seiner Promotion mit der Behandlung von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) auseinandergesetzt. Nach Stationen am National Jewish Center in Denver/USA und am Leiden University Medical Center/Niederlanden, arbeitet er heute als Direktor an der Klinik für Pneumologie der Ruhrlandklinik, die zur Universitätsmedizin Essen gehört. Laut dem Qualitätsbericht der Krankenhäuser werden hier deutschlandweit die meisten Patienten mit COPD behandelt, 1.659 Behandlungsfälle waren es im Jahr 2016. Deshalb gehört Prof. Dr. Taube zu den erfahrensten Medizinern in Deutschland, wenn es um COPD geht.

Klinik Kompass: Weltweit sterben mehrere Millionen Menschen pro Jahr an COPD. Was müsste passieren, damit die Patientenzahlen sinken?

Prof. Taube: COPD stellt weltweit ein immer größeres, sozioökonomisches Problem dar. Es handelt sich hier um eine Krankheit, die durch das Einatmen von Schadstoffen hervorgerufen wird. Der wichtigste Faktor für eine Erkrankung ist der inhalative Zigarettenrauch. Das bedeutet für eine Verminderung der Patientenzahlen müssten mehr Menschen auf den Zigarettenkonsum verzichten. Aber wir wissen zu dem jetzigen Zeitpunkt auch: Würden morgen alle Menschen mit dem Rauchen aufhören, hätten wir in den nächsten 30 Jahren dennoch eine hohe Anzahl an COPD-Patienten, weil der Schaden nach jahrzehntelangem Rauchen schon vollzogen ist.

Klinik Kompass: COPD lässt sich nicht heilen, aber die Symptome können gelindert werden. In ihrer Promotion haben Sie herausgefunden, dass auch körperliches Training helfen kann. Welche neuen Therapieansätze geben Ihnen Hoffnung?

Prof. Taube: Die aktuelle COPD-Therapie besteht aus mehreren Säulen. Zum einen wird mit der Pharmakotherapie mit inhalativen Medikamenten behandelt. Eine weitere wichtige Säule ist das körperliche Training und die Rehabilitation, gerade diese beiden Interventionen haben gezeigt, dass die Beschwerden vermindert werden können. Bei sehr schwergradigen Erkrankungen ist manchmal eine Sauerstofflangzeit-Therapie oder eine nicht-invasive Beatmung das Mittel der Wahl. Es hat sich auch gezeigt, dass bei Patienten mit einem ausgeprägten Emphysem volumenreduzierende Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Operation, oder interventionelle bronchoskopische Verfahren zu einer Linderung der Beschwerden führen können. Als letzte Möglichkeit kommt für einige wenige Patienten außerdem eine Lungentransplantation in Frage. Alle diese Therapien lindern aber nur die Symptome, COPD ist derzeit noch nicht heilbar. Deshalb ist die Präventionsarbeit so extrem wichtig.

Klinik Kompass: Sie sind Direktor der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen-Ruhrlandklinik. In keinem anderen Klinikum in Deutschland werden mehr Patienten mit COPD behandelt. Kommen auch Patienten aus dem Ausland zu Ihnen?

Prof. Taube: Wir behandeln sehr viele Patienten mit COPD und auch mit allen Schweregraden. Die Patienten kommen sowohl aus dem Ruhrgebiet und manchmal auch aus anderen Bundesländern. Wir behandeln natürlich auch Patienten aus dem Ausland, aber der Großteil unserer Patienten kommt aus Nordrhein-Westfalen.

Klinik Kompass: Riskieren wir einen Blick in die Zukunft: Werden COPD-Patienten in zehn Jahren ebenso behandelt werden wie heute?

Prof. Taube: Es gibt wenig neue pharmakologische Angriffspunkte, die zur Zeit untersucht werden und wenn man berücksichtigt, wie lange die Entwicklung von neuen Medikamenten inklusive einer notwendigen Zulassung neuer Substanzen dauert, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass wir in zehn Jahren neue pharmakologische Möglichkeiten haben werden. Die interventionellen Methoden im Rahmen der Volumenreduktion oder bronchoskopische Verfahren werden derzeit verstärkt erforscht, diese könnten zukünftig eine größere Rolle bei der Behandlung der schwergradigen COPD-Patienten spielen.

Klinik Kompass: Sie haben in den USA, in den Niederlanden und in verschiedenen deutschen Städten gearbeitet. Gibt es spezielle Therapien für COPD, die Sie im Ausland kennengelernt haben und die Ihnen vollkommen neu waren?
 
Prof. Taube: Nein, Deutschland gehört aus medizinischer Sicht zu den besten Gesundheitssystemen, die Forschung ist hier auf dem neusten Stand. Es gibt aber dennoch Unterschiede. So gibt es in den Niederlanden eine deutlich stärkere Regulierung bei der Versorgung von Patienten mit seltenen oder komplexen Erkrankungen. Da ist es zum Beispiel so, dass die Bildung von Zentren seltener Erkrankungen deutlich besser vorangeschritten ist als in Deutschland. In den Niederlanden gibt es klare Regelungen, wer Patienten mit Lungenfibrose behandeln darf, wer Transplantationen machen darf und wer neue Verfahren aus der Onkologie einsetzen kann. Erkrankungen bzw. komplexe chirurgische Eingriffe werden dort also in bestimmten Zentren konzentriert, um die Qualität der Versorgung zu verbessern.

Herr Prof. Taube, vielen Dank für das Gespräch!

Beitragsbild: ©Ruhrlandklinik/Universitätsmedizin Essen