
Wie läuft die Operation bei Prostatakarzinom ab? Welche Operationstechniken stehen zur Verfügung? Wie sollte man sich vorbereiten und was gibt es im Krankenhaus nach der Operation zu beachten? Diese Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet.
Ein Beitrag von Prof. Dr. Tobias Maurer und Lukas Hoffmann
Der Erfolg einer Operation hängt von der Qualifikation der Ärzte und den technischen Voraussetzungen im Klinikum ab. Deshalb ist es wichtig, eine herausragende Klinik für die Behandlung von Prostatakrebs zu besuchen. Ebenso wichtig ist aber, dass Sie sich als Patient am Heilungsprozess beteiligen. Ihr Engagement beginnt bei der Vorbereitung der OP und endet bei einer klugen Nachsorge.
Die Wochen vor der OP – das können Sie tun
Wenn die Diagnose Prostatakrebs feststeht, haben Sie häufig einige Wochen Zeit bis zum Operationstermin. Dies braucht Sie nicht zu beunruhigen, denn der Prostatakrebs wächst langsam. Demnach kann sich Ihr Gesundheitszustand bei einer Operation zwei bis drei Wochen nach der Diagnose nicht verschlechtern. Ganz im Gegenteil: Es kann vorteilhaft sein, etwas abzuwarten, um entzündliche Prozesse nach der Probeentnahme abklingen zu lassen.
(Anzeige): In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Prostatakrebs-OP? Welche Therapien werden angeboten? Was genau passiert am OP-Tag? Tobias Maurer, Leitender Arzt an der Martini-Klinik Hamburg, und Lukas Hoffmann, Ex-Journalist beim Handelsblatt, haben einen Ratgeber für Prostatakarzinom-Patienten geschrieben. Klicken Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr über das Buch zu erfahren!
(Ende der Anzeige)
Fitness vor der Operation
Sport schützt vor Krebs und senkt das Krebsrisiko um 20 bis 30 Prozent. Neuere Studien belegen, dass Sport auch während der Therapie den Krankheitsverlauf und die Prognose deutlich verbessert. So verringert sich beispielsweise das Risiko eines Rezidivs, also einer Wiederkehr des Krebses, um 57 Prozent.
Deshalb unterschätzen Sie nicht die positive Wirkung von Sport, selbst wenn Sie bislang keinen Sport gemacht haben und nun – wenige Wochen vor der Operation – damit beginnen. Eine Einschränkung bei der Auswahl der Sportart gibt es bei Krebspatienten nicht. Sie sollten aber von Sportarten mit einem gewissen Verletzungsrisiko wie Boxen oder Karate absehen. Sport macht gemeinsam mehr Spaß. Suchen Sie nach einem Partner oder fragen Sie in einer Selbsthilfegruppe in der Nähe nach, ob ein Sportangebot besteht.
Beachten Sie aber, dass Sie sich auf keinen Fall überlasten oder verletzen sollten. Sprechen Sie daher Ihre sportliche Tätigkeit mit dem behandelnden Arzt ab. Er kann Ihre Kondition am besten einschätzen und Sie über die empfohlene Dauer und Häufigkeit des Sportes in Ihrem Alltag informieren.
Beckenbodentraining
Beckenbodentraining wird Patienten mit Prostatakrebs am häufigsten empfohlen, insbesondere nach einer OP. Ziel ist es durch gymnastische Kraftübungen des Beckens, der unteren Wirbelsäule und der Oberschenkel die Kontinenz zu stärken.
Wann sollte kein Sport gemacht werden?
Je nach Stadium der Erkrankung gibt es auch Situationen, in denen der Körper lieber geschont werden und somit auf Sport verzichtet werden sollte. Bitte sehen Sie vom Sport ab, wenn Sie an akuten Blutungen, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen, Schwindel, Fieber oder Übelkeit leiden. Auch wenn der Krebs bereits in den Knochen sitzt und ein Bruchrisiko besteht, sollten Sie sich schonen.
Der Tag vor der Operation
Blutabnahme, Ultraschall & Co
Am Aufnahmetag werden Sie körperlich untersucht. Zudem wird Ihnen Blut abgenommen zur Bestimmung des Blutbildes, der Blutgruppe, der Blutgerinnung und des aktuellen PSA-Wertes. Mit einem Ultraschallgerät wird die Prostata neu vermessen. Auch die umliegenden Organe wie die Nieren und die Blase werden untersucht. In der Regel wird auch ein EKG für die Untersuchung Ihrer Herzaktivität gemacht.
In der Ambulanz wird Ihre Anamnese erhoben. Das bedeutet, die Ärzte fragen nach Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten und früheren Operationen. Je genauer die Ärzte über Ihren Gesundheitszustand informiert sind, desto wahrscheinlicher ist eine komplikationsfreie Operation. Deshalb bietet es sich an, dass Sie alle Informationen bereits zuvor zusammentragen. So sind Sie auf die Fragen der Ärzte und des Klinikpersonals vorbereitet
Aufklärungsgespräch
Auf die Anamnese folgen zwei Aufklärungsgespräche: Eins mit einem Anästhesisten und eines mit einem Urologen.
Im Gespräch mit dem Anästhesisten wird erneut nach Ihrer Größe, Ihrem Gewicht, nach Medikamenten, die Sie regelmäßigen einnehmen, nach bestehenden Erkrankungen und nach Konsum von Tabak- oder Rauschmitteln gefragt. Die wahrheitsgemäße Beantwortung dieser Fragen ist wichtig, da anhand Ihrer Antworten die zu verwendende Menge des Narkosemittels berechnet werden. Die Ärzte führen den operativen Eingriff unter Vollnarkose durch. Bei einer Vollnarkose werden neben dem Bewusstsein und der Schmerzempfindung auch die Schutzreflexe, wie zum Beispiel Schluck- oder Hustenreflexe, unterdrückt. Nehmen Sie am Tag der Vollnarkose deshalb keine feste Nahrung mehr zu sich, klare Flüssigkeiten zu trinken ist in manchen Häusern bis wenige Stunden vor der Operation gestattet. Es ist wichtig, dass Sie die ärztliche und pflegerische Anordnungen einhalten, weil sonst die Gefahr besteht, dass Mageninhalt in den Rachen gelangt, eingeatmet wird und Sie an einer schweren Lungenentzündung erkranken.
Im Aufklärungsgespräch erklärt der Chirurg Ihnen das Operationsverfahren und be-antwortet Ihre Fragen zum Eingriff. Sie erhalten Informationen zur Dauer der Operation, zum Schwierigkeitsgrad und zu möglichen Komplikationen. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, Sie auf alle grundsätzlichen Risiken sowie spezifischen Risiken der Operation hinzuweisen, auch wenn diese gering sind.
Aufnahme auf die Station
Nach den Untersuchungen und Gesprächen können Sie sich in Ihrem Zimmer einrichten. Die diensthabenden Pflegekräfte stellen sich Ihnen vor und erkundigen sich nach Ihren Ess- und Trinkgewohnheiten.
Als Vorbereitung auf die Operation wird die Rasur des OP-Gebietes (je nach Operationsverfahren zwischen Brust und Oberschenkel) vorgenommen. Sie erhalten auch ein Abführmittel, damit der Darm am Operationstag entleert ist. Am Abend erhalten Sie bei Bedarf ein Schlafmittel, damit Sie – trotz Nervosität – einen erholsamen Schlaf haben. Die Alternative ist ein leichtes Beruhigungsmittel am Morgen der Operation.
Der Tag der Operation
Vor der Operation müssen Sie sämtlichen Schmuck (wie beispielsweise Ihre Armbanduhr) ablegen. Ihre Kleidungsstücke (auch Unterwäsche) ziehen sie ebenfalls aus und Prothesen werden herausgenommen. Zur Bekleidung bekommen Sie ein OP-Hemd, das bis oberhalb der Knie reicht. Damit werden Sie in Ihrem Bett zum OP-Saal gefahren.
(Anzeige): In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Prostatakrebs-OP? Welche Therapien werden angeboten? Was genau passiert am OP-Tag? Tobias Maurer, Leitender Arzt an der Martini-Klinik Hamburg, und Lukas Hoffmann, Ex-Journalist beim Handelsblatt, haben einen Ratgeber für Prostatakarzinom-Patienten geschrieben. Klicken Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr über das Buch zu erfahren!
(Ende der Anzeige)
Operationsverfahren
Radikale Prostatektomie
Die am häufigsten durchgeführte Operation bei Prostatakrebs ist die sogenannte radikale Prostatektomie. Sie dauert mehrere Stunden. Bei diesem Operationsverfahren wird die komplette Prostata entfernt. Auch die Samenblasen, die Samenleiter und der innere Schließmuskel am Blasenauslass werden entfernt. Die Harnröhre muss durchtrennt werden, weil sie sich durch die Prostata zieht. Der Harnröhrenstumpf oberhalb des äußeren Schließmuskels wird dann aber mit dem rekonstruierten Blasenauslass wieder verbunden, so wird eine durchgehende Harnröhre hergestellt.
Bei der radikalen Prostatektomie versuchen die Operateure wichtige Nerven und Blutgefäße nicht zu verletzen, um die Sexualfunktion (Gliedsteife, Erektion) und die Blasenkontrolle (Kontinenz) nicht zu beeinträchtigen. Der noch lokal begrenzte oder fortgeschrittene Krebs soll samt seiner Kapsel vollständig entnommen werden. Während der Operation sehen und untersuchen die Ärzte außerdem, ob umliegende Lymphknoten befallen sind oder Tumorzellen außerhalb der Prostata zu finden sind. Sie können betroffene Lymphknoten ebenfalls entnehmen und Prognosen über eine mögliche Wiederkehr (Rezidiv) des Karzinoms machen.
Zugangswege zur Prostata
Die Chirurgen kommen durch unterschiedlichen Schnittführungen an das Operationsgebiet heran:
- Bei der retropubischen Operation liegt der Patient in Rückenlage auf dem Operationstisch. Die Prostata wird durch einen Schnitt am Unterbauch, also hinter dem Schambein entfernt.
- Bei der perinealen Operation wird die Prostata über die Region über dem Damm, zwischen After und Penis erreicht. Der Chirurg führt dabei einen bogenförmigen Schnitt zwischen Hodensack und Anus durch. Der Patient liegt auf dem Rücken mit gespreizten und angewinkelten Beinen, in der sogenannten Steinschnittlage.
Die “Da-Vinci-Operation”
Der Medizinroboter “Da Vinci” besitzt eine Steuerkonsole, an der ein Chirurg sitzt, und mit dem er die vier Arme und den Videoturm lenkt. Dank der dreidimensionalen Kamera und der Lichttechnik erhält der Operateur ein vergrößertes 3D-Bild des Operationsfeldes und kann selbst feine Strukturen, wie Nerven und Gefäße, erkennen. Mit seinen Handbewegungen steuert der Operateur in Echtzeit die Arme des Roboters. Der Da Vinci Roboter kann also keine eigenständigen Bewegungen ausführen, ist viel mehr wie eine Verlängerung der operierenden Arme des Chirurgen zu verstehen.
Eine Steuerung des Da Vinci Roboters ist schwierig. Deshalb sollten Sie nur Kliniken wählen, in denen die Technik schon lange eingeführt ist und auch häufig genutzt wird. Hier finden Sie entsprechende Kliniken. Aber selbst in sehr erfahrenen Kliniken und bei einer zweifelsfrei hervorragenden robotischen Behandlung, macht es auf lange Sicht keinen Unterschied, ob Sie mit einem Roboter oder ohne Robotik operiert werden. Dies zeigen verschiedene Langzeitstudien.
Nach der Operation
Nach der Operation ruft der Operateur auf Wunsch Ihre Angehörigen an und berichtet über den Verlauf. Nach einem kurzen Aufenthalt im Aufwachraum kommen Sie auf die „normale“ Station, wo Sie dann bis zum Ende Ihres Krankenhausaufenthalts bleiben. Es ist ratsam für die Zwischenstationen alle wichtigen Pflegeutensilien (Bürste, Zahnbürste, Zahncreme, Seife, Brille) in einem Kulturbeutel aufzubewahren.
Wenn Sie erwachen, haben Sie üblicherweise eine Wunddrainage zur Ausführung der Wundflüssigkeit auf der einen Seite und einen Dauerkatheter, der durch die Harnröhre führt und den Urin ableitet, auf der anderen Körperseite. Insgesamt verbringen Sie nach der Operation noch ungefähr sieben Tage in der Klinik, um mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen auszuschließen oder zu therapieren.
Kurz nach der Operation beginnt die Thromboseprophylaxe. Bei einer Thrombose kommt es durch ein Blutgerinnsel zu einem vollständigen oder teilweisen Verschluss eines Blutgefäßes. Ein langes Liegen begünstigt eine Thrombose. Da Sie die nächsten Tage mehrheitlich im Bett verbringen werden, wird mit Spritzen die Bildung eines Gerinnsels verhindert.
Am Tag der Operation bekommen Sie eine Schonkost und werden langsam mobilisiert. Meist wird nach etwa einer Woche eine Dichtigkeitsprüfung durchgeführt. Hierbei wird festgestellt, ob die Verbindung zwischen Harnröhre und Blase gut verheilt ist oder ob sich noch ein Leck zeigt. Wenn der Katheter bei dichter Verbindung entfernt werden kann, kommt es zumeist vor, dass Sie noch nicht komplett den Urin halten können. Besonders bei Belastungen wie Husten, Aufstehen, Treppensteigen werden Sie eine unwillkürlichen Urinabgang bemerken. Das ist normal – lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Dies bessert sich meistens rasch in den ersten Tagen und Wochen.
Welche Komplikationen und Langzeitfolgen gibt es?
Harninkontinenz
Nach der Operation ist der äußere Schließmuskel alleine für die Kontinenz verantwortlich. Er sorgt dafür, dass ohne Ihren Willen kein Urin den Körper verlassen kann. Nach der Operation kann es dazu kommen, dass der Muskel noch überlastet ist und sich von dem Eingriff erst „erholen“ muss. Man spricht dann von Belastungsinkontinenz. Wenn im Voraus eine Prostatavergrößerung festgestellt wurde, kann es sein, dass der äußere Schließmuskel bereits vor der Operation nicht mehr so stark ist. Die Belastungsinkontinenz führt dazu, dass Urin unwillkürlich beim Husten, beim Sport oder beim Lachen abgeht. Da dies sehr ungünstig ist, versuchen Chirurgen die Inkontinenz durch eine nervenschonende Operation zu verhindern. Eine britische Studie mit 1.643 Patienten zeigte, dass rund ein Fünftel der Patienten nach radikaler Prostatektomie an anhaltendem Urinverlust litten. Der Beobachtungszeitraum lag hier zwischen sieben und 12 Jahren. Eine US-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt hier etwas bessere Werte. Zehn Jahre nach der OP hatten rund 14 Prozent der Patienten moderate bis ausgeprägte Inkontinenz-Probleme. Verbessern kann man das OP-Ergebnis, wenn man vor und nach dem Eingriff den Beckenboden trainiert. Sollte trotz des Trainings über längere Zeit immer noch eine wesentliche Inkontinenz bestehen, kann möglicherweise eine weitere Operation helfen.
Erektile Dysfunktion
Die totale Prostatektomie führt zunächst bei fast allen Betroffenen zu einer erektilen Dysfunktion. Das heißt, dass es nicht möglich ist, eine Erektion für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu bekommen. Der Ausfall der Erektion muss aber nicht endgültig sein. Männer, die vor der Operation potent waren, können sich bei entsprechender, nervenschonender Operationstechnik wieder erholen. Die Mehrheit der Patienten der oben zitierten Studien hatten nach der OP keine Erektion mehr. In der britischen Studie hatten noch 18 Prozent der Patienten sieben Jahre nach der OP eine Erektion, in der US-Studie blieb circa ein Drittel der operierten Männer 10 Jahre nach der OP potent.
Rehabilitation und Nachsorge
Die Rehabilitation kann entweder ambulant oder stationär erfolgen. Wenn Sie eine stationäre Rehabilitation wünschen, kann eine solche früh eingeleitet werden. Sie können aber auch mit der Rehabilitation erst einige Tage nach der Entlassung aus der Klinik beginnen. In der Regel dauert die Reha drei Wochen.
Wenn Sie nach dem operativen Eingriff unter Harninkontinenz leiden, können gezielte gymnastische Maßnahmen dabei helfen, die Muskulatur im Beckenboden zu stärken und die Kontinenz zurückzuerlangen. Das spezielle Kontinenztraining für Männer kann durch Messgeräte wie Biofeedback-Geräte erfasst werden, sodass Sie erlernen, welche Muskel Sie wie anspannen müssen, um den Harn in der Blase zu halten.
Der PSA-Wert sollte weiterhin regelmäßig überprüft werden, um ein Rezidiv, das bedeutet eine Wiederkehr des Krebses, auszuschließen. Bei etwa 3 von 10 Männern kehrt der Krebs zurück.
(Anzeige): In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Prostatakrebs-OP? Welche Therapien werden angeboten? Was genau passiert am OP-Tag? Tobias Maurer, Leitender Arzt an der Martini-Klinik Hamburg, und Lukas Hoffmann, Ex-Journalist beim Handelsblatt, haben einen Ratgeber für Prostatakarzinom-Patienten geschrieben. Klicken Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr über das Buch zu erfahren!
(Ende der Anzeige)







































