Mit der Computertomographie können die ausgewanderte Tumorzellen genau geortet werden. ©Adobe Stock/auremar

Ihr Urologe hat Ihnen gesagt, dass in der Prostata Tumorzellen gefunden wurden? Sie haben nur ein vages Wissen davon, was auf Sie zukommt? Die gute Nachricht: Die Überlebenschancen bei Prostatakrebs sind inzwischen sehr hoch. Ärzte haben ein ganzes Arsenal an Therapiemöglichkeiten. Bei der Diagnose Prostatakrebs heißt es also zunächst: Die passende Therapie auszuwählen. Hier stellen wir dar, welche Therapien für Prostatakrebs es in Deutschland gibt.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Tobias Maurer und Lukas Hoffmann

Was ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs, fachsprachlich auch Prostatakarzinom, ist ein bösartiger Tumor in der Prostata. Deutschlandweit erkranken jährlich mindestens 60.000 Männer. Damit zählt der Prostatakrebs zu der häufigsten Krebserkrankung bei Männern.
Die Prostata gehört zu seinen Fortpflanzungsorganen, denn in ihr entsteht ein Teil der Samenflüssigkeit. Zur Ausbildung des Tumors kommt es, wenn sich zu viele Zellen in der Prostata unkontrolliert geteilt und vermehrt haben. Die genauen Ursachen für diese Veränderung der Zellen haben Wissenschaftler noch nicht erforscht. Das Alter spielt eine Rolle. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf. Ist der Vater und der Bruder erkrankt, erhöht sich für einen selbst zudem das Risiko zu erkranken.

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Keine eindeutigen Symptome

Frühzeitige Symptome für einen bösartigen Prostatakrebs gibt es nicht.
Das tückische am Prostatakrebs ist, dass er keine oder erst sehr spät Beschwerden auslöst. Denn er entsteht meist in der äußeren Drüsenzone. Erst wenn der Tumor bereits groß ist und auf die im Inneren liegende Harnröhre drückt, kommt es etwa zu Störungen beim Wasserlassen. Aber: Probleme beim Wasserlassen können auch Folge einer gutartigen Vergrößerung der Prostata sein, die ungefährlich ist. Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit ein Indiz für Prostatakrebs sein. Hat sich der Tumor in andere Körperregionen ausgebreitet, zum Beispiel in die Knochen, sind Knochenschmerzen die Folge.

Diese Anzeichen können auf Prostatakrebs hinweisen

Diagnose: Von der Tastuntersuchung bis zur Skelett-Szintigraphie

Zu Beginn einer Diagnose steht das ausführliche Gespräch mit dem Urologen, damit der Patient Symptome einordnen kann und Hinweise auf mögliche Untersuchungen erhält. Die optimale Behandlung von Prostatakrebs ist von Mann zu Mann unterschiedlich. Zu Beginn einer Therapie müssen zunächst Antworten gefunden werden: Wie groß ist der Tumor? Wo genau liegt er? Mit welcher Geschwindigkeit wächst er? Um diese Fragen zu beantworten, bedienen Ärzte sich verschiedener Untersuchungsmethoden.
  1. Tastuntersuchung: Mit einem Finger tastet der Arzt die Prostata über den Enddarm ab, um ihre Größe, Festigkeit und ihre Oberfläche zu beurteilen. Die Tastuntersuchung ist einfach und ohne Nebenwirkungen. Sie ist aufgrund der Lage oder Größe des Karzinoms aber nicht ganz zuverlässig, denn Studien haben gezeigt, dass ein Großteil der Prostatakarzinome unentdeckt bleiben und meist erst fortgeschrittene Karzinome entdeckt werden.
  2. Ein Bluttest zeigt dem Arzt, wie hoch die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) ist. Das PSA ist ein Eiweiß und wird in der Prostata gebildet. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten. Dabei gibt es unterschiedliche Normalbereiche des PSA-Wertes abhängig vom Alter, in dem Sie sich derzeit befinden. Die Untersuchung des PSA-Wertes wird derzeit noch als private Gesundheitsleistung abgerechnet und kostet zwischen ca. 15 – 20 Euro. Die regelmäßige Kontrolle des PSA-Wertes wird in den ärztlichen Leitlinien dringend empfohlen, weil so der Krebs noch im Frühstadium diagnostiziert werden kann.
  3. Bei der multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) legen sich Patienten für circa 30 Minuten in ein Magnet-Resonanz-Tomographie-Gerät. Dabei werden die aggressivsten Tumorherde in der Prostata identifiziert. Weil auch andere Parameter in die Untersuchung mit einbezogen werden, erhalten Ärzte Informationen beispielsweise über die Zelldichte, Stoffwechselvorgänge oder die Durchblutung. So kann der Urologe erkennen, wo sich verdächtige Herde im Prostatagewebe befinden.  Zudem können vergrößerte Lymphknoten erkannt und somit die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung einkalkuliert werden. Die mpMRT kann auch für eine gezielte Biopsie eingesetzt werden (s.u.).
  4. Mit der Gewebeentnahme, auch Biopsie genannt, erhalten Ärzte und Patienten Gewissheit, ob sich in der Prostata auch tatsächlich Krebsgewebe befindet. Diese Gewebeproben werden dann in der Pathologie unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht. Denn die Tumorzellen weisen charakteristische Veränderungen auf, die sie von den gesunden Zellen unterscheiden. Bei der transrektalen Prostatastanzbiopsie entnehmen Ärzte 10 bis 12 Gewebeproben aus der Prostata durch den Enddarm. Diese kommen in unterschiedliche Gefäße, auf denen der genaue Entnahmeort dokumentiert wird. Nach der pathologischen Analyse können die Ärzte sagen, in welchem Entnahmeort der Krebs lokalisiert ist. Eine weiteres Biopsieverfahren ist die sogenannte Fusionsbiopsie: In dieser Untersuchung wird mit der bildgebenden Darstellung mpMRT (s.o.)  gearbeitet. Ein Radiologe und ein Urologe bewerten visuell die MRT-Bilder und kennzeichnen verdächtige Areale. Die Bilder aus dem Echtzeit-Ultraschall können danach mittels eines Computerprogramms übereinander gelegt werden (computergestützte Fusionsbiopsie). Besteht der Verdacht eines Tumors, können in den entsprechenden Arealen gezielt Biopsien entnommen werden. Um eine Aussage über die Aggressivität des Tumors machen zu können, bestimmt der Pathologie den sogenannten Gleason-Score zwischen 6 und 10. Bei einem Wert bis 6 ist der Tumor wenig aggressiv, ab einem Wert von 8 spricht man von einem aggressiven Wachstum.
  5. Für die sogenannten Ausbreitungsdiagnostik können verschiedene bildgebende Verfahren angeordnet werden. Eine MRT oder CT (Computertomographie) im Beckenbereich kann auf einen möglichen Befall der Lymphknoten hinweisen.  Der Computertomograph sendet fächerförmige Strahlen aus, die von allen Seiten in das Untersuchungsgebiet eindringen. Je nach Beschaffenheit lassen die unterschiedlichen Gewebeformen im Körper die Röntgenstrahlen unterschiedlich stark durch. Deshalb zeigen die Bilder hinterher verschiedene Grautöne und können von den Ärzten entsprechend interpretiert werden.
  6. Hat der Tumor bereits die Knochen befallen? Das lässt sich mit der Knochen-Szintigraphie feststellen. Bei dieser Untersuchung werden dem Patienten geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkrankten Knochen sammelt. Eine Kamera kann die radioaktive Strahlung und damit die metastasenverdächtigen Bereiche orten.
  7. Ein neues Untersuchungsverfahren ist die PSMA-PET/CT, das mithilfe eines Posit-ronenemissionstomographen (PET) das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) darstellen kann. Bei dem PSMA handelt es sich um einen Eiweißkörper, der an der Oberfläche der allermeisten Prostatakrebszellen sitzt. Bei der PSMA-PET wird eine schwach radioaktive Substanz über die Vene gegeben, die sich besonders gerne an das PSMA bindet. So werden die Zellen radioaktiv markiert und anschließend mit einer empfindlichen Kamera, dem Positronenemissionstomographen sichtbar ge-macht. Diese Untersuchung wird in Regel mit einer CT- oder MRT-Untersuchung kombiniert. Das Verfahren ermöglicht, dass sogar kleine Tumorareale oder Streuherde hochpräzise dargestellt werden.

So viele Männer werden in deutschen Kliniken mit Prostatakrebs behandelt

Therapien: Lokaler Tumor vs. Tumor mit Metastasen

Urologen unterscheiden zwischen drei Krankheitsstadien: Lokal begrenzter Prostatakrebs, fortgeschrittener Prostatakrebs, Prostatakrebs mit Metastasen.

Lokal begrenzter Prostatakrebs

Wenn der Tumor sich auf die Prostata beschränkt, also noch keine Metastasen gebildet hat, sprechen Ärzte von einem lokal begrenzten Prostatakrebs. Hier sind die Heilungschancen sehr gut. Ärzte empfehlen hier eine Operation, um den Tumor komplett zu entfernen. Möglich ist auch eine Strahlentherapie, bei der die Tumore mittels eines Linearbeschleunigers bestrahlt werden.


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