Mit der Magnet-Resonanz-Tomographie können die Tumorzellen genau geortet werden. ©Adobe Stock/auremar
Ihr Urologe hat Ihnen gesagt, dass in der Prostata Tumorzellen gefunden wurden? Sie haben nur ein vages Wissen davon, was auf Sie zukommt? Die gute Nachricht: Die Überlebenschancen bei Prostatakrebs sind inzwischen sehr hoch. Ärzte haben ein ganzes Arsenal an Therapiemöglichkeiten. Bei der Diagnose Prostatakrebs heißt es also zunächst: Die passende Therapie auszuwählen. Hier stellen wir dar, welche Therapien für Prostatakrebs es in Deutschland gibt.

Was ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs, fachsprachlich auch Prostatakarzinom, ist ein bösartiger Tumor in der Prostata des Mannes. Die Prostata gehört zu seinen Fortpflanzungsorganen, denn in ihr entsteht ein Teil der Samenflüssigkeit. Zur Ausbildung des Tumors kommt es, wenn sich zu viele Zellen in der Prostata unkontrolliert geteilt und vermehrt haben. Die genauen Ursachen für diese Veränderung der Zellen haben Wissenschaftler noch nicht erforscht. Das Alter spielt eine Rolle. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf. Ist der Vater und der Bruder erkrankt, erhöht sich für einen selbst zudem das Risiko zu erkranken.

Keine eindeutigen Symptome

Frühzeitige Symptome für einen bösartigen Prostatakrebs gibt es nicht. Denn er entsteht meist in der äußeren Drüsenzone. Erst wenn der Tumor bereits groß ist und auf die im Inneren liegende Harnröhre drückt, kommt es etwa zu Störungen beim Wasserlassen. Aber: Probleme beim Wasserlassen können auch Folge einer gutartigen Vergrößerung der Prostata sein, die ungefährlich ist. Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit ein Indiz für Prostatakrebs sein. Hat sich der Tumor in andere Körperregionen ausgebreitet, zum Beispiel in die Knochen, sind Knochenschmerzen die Folge.

Diese Anzeichen können auf Prostatakrebs hinweisen

Diagnose: Von der Tastuntersuchung bis zur Skelett-Szintigraphie

Zu Beginn einer Diagnose steht das ausführliche Gespräch mit dem Urologen, damit er Symptome einordnen kann und Hinweise auf mögliche Untersuchungen erhält. Danach nimmt er folgende Untersuchungen vor:
    1. Tastuntersuchung: Mit einem Finger tastet der Arzt die Prostata über den Enddarm ab, um ihre Größe, Festigkeit und ihre Oberfläche zu beurteilen.
    2. Ein Bluttest zeigt dem Arzt, wie hoch die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) ist. Das PSA wird in der Prostata gebildet. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten.
    3. Bei einer Kernspin-Untersuchung legen sich Patienten für circa 30 Minuten in ein Magnet-Resonanz-Tomographie-Gerät. Bei der Untersuchung, sie heißt multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT), werden die aggressivsten Tumorherde in der Prostata identifiziert. So kann der Urologe erkennen, ob es sich tatsächlich um einen bösartigen Prostatakrebs oder nur um eine Entzündung handelt.
    4. Mit der Gewebeentnahme (Biopsie) erhalten Ärzte und Patienten Gewissheit, ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet. In der Regel werden 10 bis 12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen und danach unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.
    5. Ist der Arzt sicher, dass ein Patient Prostatakrebs hat, können weitere Untersuchungen zeigen, wie sehr die Erkrankung fortgeschritten ist. Mittels der transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS) kann der untersuchende Urologe sehen, ob der Tumor die bindegewebige Kapsel bereits durchbrochen hat oder ob er in die Samenblasen eingewachsen ist. Bei dieser Untersuchung führt er eine fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm ein. Die Ultraschalsonde liefert genaue Bilder der Prostata, der Samenblasen und ihrer Umgebung.
    6. Hat der Tumor bereits die Knochen befallen? Das lässt sich mit der Knochen-Szintigraphie feststellen. Bei dieser Untersuchung werden dem Patienten geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkrankten Knochen sammelt. Eine Kamera kann die radioaktive Strahlung und damit die metastasenverdächtigen Bereiche orten.
Um eine Aussage über die Aggressivität des Tumors machen zu können, bestimmt der Arzt den sogenannten Gleason-Score zwischen 6 und 10. Bei einem Wert bis 6 ist der Tumor wenig aggressiv, ab einem Wert von 8 ist die Erkrankung fortgeschritten.

So viele Männer werden in deutschen Kliniken mit Prostatakrebs behandelt

Therapien: Lokaler Tumor vs. Tumor mit Metastasen

Urologen unterscheiden zwischen drei Krankheitsstadien: Lokal begrenzter Prostatakrebs, fortgeschrittener Prostatakrebs, Prostatakrebs mit Metastasen.

Lokal begrenzter Prostatakrebs
Wenn der Tumor sich auf die Prostata beschränkt, also noch keine Metastasen gebildet hat, sprechen Ärzte von einem lokal begrenzten Prostatakrebs. Hier sind die Heilungschancen sehr gut. Entweder es wird eine Operation, also die komplette Entfernung des Tumors, empfohlen oder eine Strahlentherapie, bei der die Tumore mittels eines Linearbeschleunigers bestrahlt werden. Bei sehr kleinen Tumoren oder älteren Patienten kann das Tumorwachstum auch nur beobachtet werden. Dieses Verfahren nennen Ärzte: Aktive Überwachung.

Fortgeschrittener Prostatakrebs
Wenn der Tumor die bindegewebige Kapsel der Prostata durchbrochen hat und sich zum Beispiel in Enddarm oder Samenbläschen ausgebreitet hat, sprechen Ärzte vom fortgeschrittenen Prostatakrebs. Solche Tumore können entweder durch eine Operation oder durch eine Kombination aus Bestrahlung und Hormontherapie behandelt werden.

Prostatakrebs mit Metastasen
Hat der Tumor sich noch weiter ausgebreitet, also etwa die Lymphknoten oder andere Organe befallen, spricht man von Prostatakrebs mit Metastasen. Hier reicht eine Operation oder eine lokale Bestrahlung nicht mehr als Therapieform aus. Nun müssen Mittel gewählt werden, die sich gegen alle Tumorzellen im Körper richten. Ärzte verschreiben nun Medikamente, die in den Hormonspiegel eingreifen, und ordnen häufig eine Chemotherapie an.

Kosten für die Behandlung in Deutschland

Die Behandlung von Prostatakrebs ist von Patient zu Patient unterschiedlich, deshalb kann man im Vorfeld nicht sagen, welche Kosten anfallen. Es ist möglich, dass in einer Prostata nur ein kleiner Tumor entfernt wird und danach keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind. Dann bleiben die Ausgaben vergleichsweise gering. Hat der Tumor gestreut, werden aufwendigere und teurere Therapien notwendig.

Grundsätzlich gilt, dass ausländische Patienten die gleichen Preise zahlen wie deutsche Patienten. Denn die Abrechnung richtet sich nach den gesetzlichen Kostenkatalogen. Wenn einzelne Leistungen hinzugebucht werden, wie eine Chefarztbehandlung oder ein Einzelzimmer, erhöhten sich die Preise. Explizit für Auslandspatienten fallen Kosten für die Anreise, die Übersetzung und die Unterbringung an.

Nehmen wir an, bei einem Patienten wurde ein lokaler Prostatakrebs diagnostiziert, der noch nicht gestreut hat. Der Patient ist 65 Jahre und für sein Alter körperlich fit. Ein Arzt rät ihm zu einer Operation, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass er sie gut übersteht. Der Patient stimmt zu. Dann würde seine Behandlung im Klinikum circa 8.110 Euro kosten und er würde 8,3 Tage auf Station bleiben. Er würde nach der Fallpauschale M01B abgerechnet werden, dies ist die am häufigsten abgerechnete Fallpauschale bei Prostatakrebs in Deutschland. Bei den Kosten und Liegetagen handelt es sich um Durchschnittswerte.

Kostenaufteilung für die Behandlung von Prostatakrebs im Klinikum

Allerdings sind hier nur die Kosten erfasst, die während der Zeit im Krankenhaus anfallen. Die Nach- und Voruntersuchungen werden extra gerechnet und unterscheiden sich von Fall zu Fall.

Ist es nun sinnvoll für eine Behandlung nach Deutschland zu reisen? In jedem Fall ist es ratsam sich im Heimatland ausgiebig untersuchen zu lassen. Dann können Sie in Ruhe mit Ihrem Arzt des Vertrauens besprechen, ob eine Therapie im Ausland einen Mehrwert bringt. Falls Sie sich für eine Behandlung in Deutschland interessieren und Fragen haben, können Sie uns schreiben. Wir empfehlen Ihnen gerne passende Ansprechpartner.