Zwei Chirurgen arbeiten mit dem Da Vinci Roboter
Der Da Vinci Roboter wird von der US-amerikanischen Firma Intuitive Surgical hergestellt. ©Universitätsklinik Münster

In über 100 deutschen Kliniken wird bereits mit dem OP-Roboter Da Vinci gearbeitet. Der Einsatz des Roboters bringt Vorteile, revolutioniert aber nicht die Prostata-Chirurgie.

Dr. med. Jens Peter Hölzen (links) und Prof. Dr. med. Andreas Pascher

Das Operationssystem Da Vinci besteht aus einer Steuerkonsole, an der ein Chirurg sitzt, und mit dem er die vier Arme und den Videoturm lenkt. Dank der dreidimensionalen Kamera und der Lichttechnik erhält der  Operateur ein vergrößertes 3D-Bild des Operationsfeldes und kann selbst feine Strukturen wie Nerven und Gefäße erkennen. Mit seinen Handbewegungen steuert der Operateur in Echtzeit die Arme und sieben Freiheitsgrade des Roboters. Der Da Vinci Roboter kann also keine eigenständigen Bewegungen ausführen. „Es handelt sich um ein Master-Slave-Assistenzsystem, das sich de Facto als Verlängerung unseres eigenen Operationsarms darstellt“, sagt Prof. Dr. Andreas Pascher, der die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Uniklinik Münster leitet.

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Eine Operation mit dem Da Vinci Roboter kostet 2.000 Euro

Die Da Vinci Robotik bringt für den Patienten Vorteile mit sich: Der Blutverlust ist geringer, die Wunden heilen schneller und äußerliche Schnittwunden sind maximal 2 Zentimeter groß. Allerdings gibt es auch Nachteile. So kann es zum Beispiel sein, dass das Gas (C02), das vor der Operation in den Bauchraum geleitet wird, über mehrere Wochen hinweg nur langsam entweicht. Außerdem ist die Operation mit Da Vinci in manchen Kliniken kostenpflichtig. So müssen Patienten zum Beispiel in der Martini Klinik Hamburg 2.000 Euro zuzahlen, wenn sie mit dem Da Vinci operiert werden möchten.

Dass die Operation mit Da Vinci kostenpflichtig ist, hat einen Grund. Verschiedene Langzeitstudien haben bewiesen, dass es auf lange Sicht keinen Unterschied gibt, ob Patienten mit oder ohne OP-Robotik operiert werden. Die letzte Studie wurde von der schon angesprochenen Martini Klinik Hamburg durchgeführt, hier werden weltweit die meisten Patienten mit Prostatakrebs behandelt. 10.790 Männer haben die Forscher über einen Zeitraum von 2008 bis 2016 befragt. Das Fazit: Es ist nicht entscheidend, ob im OP-Saal ein Roboter steht. Viel wichtiger ist die Erfahrung des Chirurgen.

An einer Stelle im OP steht der Tisch mit den Roboterarmen…

Der OP Roboter Da Vinci besteht aus zwei Teilen: Einem fahrbaren Stativ mit vier Armen…Deshalb sollte man genau abwägen, ob eine Operation mit dem Da Vinci Roboter notwendig ist oder ob der Eingriff nicht auch durch ein laparoskopisches Verfahren vorgenommen werden kann. Typische Eingriffe mit dem Roboter, wie zum Beispiel die Entfernung der Prostata oder eine Implantation der Harnleiter, können nach wie vor auf konventionellem Weg durchgeführt werden. In jedem Fall ist der Arzt verpflichtet mit dem Patienten vor der OP über die verschiedenen Operationsmöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen zu sprechen. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, verletzt er geltendes Medizinrecht und kann verklagt werden.

Ärzte haben keine Rückenschmerzen mehr

Nicht nur für den Patienten bringt die Da Vinci Robotik Vor- und Nachteile mit sich. Ärzten geht es genauso. Ein Nachteil, der sich insbesondere für das medizinische Personal darstellt, ist der Faktor Zeit. Für die Pflegekräfte ist der Aufwand größer, weil die Robotik-Instrumente aufwendiger sterilisiert werden müssen, zudem dauert die OP länger als bei einem offenen Eingriff. Hinzu kommt die längere Vorbereitungszeit für den Operateur. In der Regel werden mehr als 50 Stunden Simulationsstunden abgeleistet, ehe überhaupt in Einzelstunden trainiert wird.

…und Kontrollkonsolen, an denen die Operateure sitzen.

Vorteilhaft für den Operateur ist die bessere Übersicht und eine präzisere Steuerung der Instrumente: Dank der besseren Bildtechnik werden Organe und Instrumente räumlich und vergrößert dargestellt. Zudem ist der Roboter, etwa durch abgewinkelte Geräte und sieben Freiheitsgrade deutlich präziser als der Chrirug, der nur mit seinen Händen arbeitet. Außerdem ist der Kraftaufwand geringer, was Nacken- und Rückenschmerzen nach langen Operationen vorbeugt. Ein weiterer Vorteil, den Dr. Hölzen bei der praktischen Arbeit mit dem Da Vinci Roboter beobachtet hat, ist das größere Teamplay. Dadurch, dass alle Beteiligten die Operation verfolgen, können weitere Schritte, wie z.B. die Vorbereitung von Instrumenten, besser antizipiert werden. Auch Hinweise könnte von allen Beteiligten und nicht mehr nur vom Assistenten gegeben werden. „Man tritt durch Da Vinci stärker als Team auf, das ist ein großer Vorteil“, so Dr. Hölzen.

Der Roboter ist längst Teil des Teams

Neu ist die Behandlung mithilfe des Da Vinci Systems nicht. Es wird in jedem großen Haus in Deutschland genutzt. Klar ist: Der Da Vinci Roboter ist nur ein sehr intelligentes Werkzeug für den Operateur und trifft keine autonomen Entscheidungen. Der Chirurg selbst behält bei jedem Schnitt die Oberhand.

Alle Beitragsbilder: ©Universitätsmedizin Münster

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