Leben währen der Prostatakrebs-Therapie
Neue Studien aus den USA zeigen, dass die Ernährung während der Therapie zweitrangig ist. Sport - da gibt es keinen Zweifel - wird während der Krebstherapie aber empfohlen. ©Kyle Cassidy/CC0

Was vor der Erkrankung gilt, ist auch während der Therapie richtig: Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung sind wohltuend. Nachfolgend finden Sie zusammengefasst die wichtigen Antworten aus der Leitlinie für Prostatakrebs zu einer vorteilhaften Lebensweise während der Prostatakrebs-Therapie.

Worauf ist bei der Ernährung zu achten?

Beim Prostatakrebs handelt es sich um eine von Hormonen gesteuert Krebserkrankung.
Wenn sich bösartige Zellen bilden, sorgt das körpereigene Testosteron dafür, dass sich die Zellen weiter vergrößern und teilen. Wie bei allen hormonbedingten Erkrankungen spielt auch hier die Ernährung eine Rolle. In Studien wurde festgestellt, dass Prostatakrebs in den asiatischen Ländern wesentlich seltener vorkommt als in europäischen Ländern. Auch innerhalb Europas konnte man beobachten, dass die Erkrankung in den südeuropäischen Staaten seltener diagnostiziert wurde als in Westeuropa.

Experten empfehlen deshalb, sich an der asiatischen oder mediterranen Küche zu orientieren. So decken Sie Ihren täglichen Bedarf an Vitaminen und weiteren Nährstoffen ab, halten oder reduzieren Ihr Körpergewicht und steigern Ihr Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Eine Ernährung mit geringem Gehalt an tierischen Fetten ist empfehlenswert. Bringen Sie ein- bis zweimal pro Woche Fisch auf Ihren Speiseplan. Wählen Sie fette Seefische, wie Hering, Lachs und Makrele aus. In Ihnen stecken viel Jod, Selen und Omega-3-Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind. Verzichten Sie auf verarbeitetes und rotes Fleisch. Wenn Sie Fleisch essen wollen, ziehen Sie Geflügel wie Pute oder Hähnchen den Fleischsorten vom Rind, Schwein, Lamm vor.

Allerdings widersprechen sich die Empfehlungen aus der Leitlinie teilweise mit neuesten Forschungsergebnissen aus den Vereinigten Staaten. So ergab eine Untersuchung aus Kalifornien, deren Ergebnisse im renommierten Fachblatt Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienen, dass Männer, die sich nach der Krebsdiagnose gesünder ernährten, eine ähnliche Krankengeschichte hatten wie Männer der Vergleichsgruppe, die sich ungesund ernährten:

 „Die Studiendaten lassen vermuten, dass – entgegen der vorherrschenden wissenschaftlichen und öffentlichen Meinung – ein Mehr an Gemüse und Obst den Verlauf des Prostatakrebs nicht verändert“, erklärt Prof. J. Kellog Parsons, Urologe und Studienleiter von der California San Diego School of Medicine and Moores Cancer Center.

Wie viel Bewegung ist angemessen?

Wir haben gelernt, dass man sich bei Schnupfen, Fieber und Abgeschlagenheit schonen soll und besser das Rennrad im Keller stehen lässt. Obwohl die Krebserkrankung viel schlimmer als eine Grippe ist, gilt hier gegensätzliches. Sport ist gesund. Das wurde in vielen Studien bewiesen. Deshalb raten Ärzte inzwischen dazu, schnell wieder mit dem Sport anzufangen.

Während der Chemotherapie oder der Hormontherapie wird in der Leitlinie Krafttraining empfohlen. Generell gilt: 150 Minuten moderater Sport pro Woche oder 75 Minuten Sport auf hohem Niveau wird empfohlen. Mindestens! Nach oben sind keine Grenzen offen, wenn Sie sich entsprechend fit fühlen.

Fragen Sie Ihren betreuenden Arzt am besten, was er Ihnen rät oder ob er Sie an eine entsprechende Stelle verweisen kann. In den großen Unikliniken hat sich inzwischen ein eigener Fachbereich zu diesem Thema entwickelt, die Onkologische Bewegungsmedizin. In bewegungstherapeutischen Trainingszentren erhalten Sie von Experten Ihren individuellen Trainingsplan, zugeschnitten auf Ihre Vorlieben. In manchen Unikliniken gibt es Fitnesszentren, die nur für Krebspatienten eingerichtet wurden. Auch der Kontakt zu wohnortnahen Sportgruppen wird vermittelt, wenn Sie das wünschen.

Die Diagnose Prostatakarzinom kann die Entstehung von weiteren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem chronischen Erschöpfungssyndrom (Fatigue) begünstigen. Durch regelmäßige körperliche Aktivitäten können Sie diesen zusätzlichen Krankheiten entgegenwirken. Eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining verbessert Ihr Befinden und steigert Ihre Belastungsgrenze.

Was tun bei Schlafstörungen?

Sie leiden an Schlafstörungen, weil Sie sich Sorgen machen, wie es weitergeht? Das ist vollkommen normal. Auch ohne Krebserkrankung können viele Menschen nicht gut schlafen. Rund jeder Zehnte in Deutschland leidet laut einer DAK-Gesundheitsstudie unter schweren Schlafstörungen. Was kann man tun? Viel steht hierzu nicht in der Leitlinie für Prostatakrebs, nur dass Stress-Management-Techniken, wie Achtsamkeitsübungen oder Yoga, helfen können. Sprechen Sie auch über dieses Thema mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und holen Sie sich Tipps ein, was sie für einen besseren Schlaf tun können.

Grundsätzlich gilt, was bereits vor der Therapie stimmte: Bewegung ist gut! Eine gesunde Ernährung ist gut! Soziale Kontakte sind gut! Sprich, alles, was dazu führt, dass Sie sich wohlfühlen. Dadurch wird abends das Gedankenkarussell zum Stehen gebracht, sodass Sie einschlafen können. Und wenn Sie hellwach im Bett liegen und es einfach nicht klappt? Prof. Dr. Peter Young, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät dazu, den Schlaf nicht zu erzwingen: „Lieber eine halbe Stunde etwas anderes machen, etwas lesen oder spazieren gehen, als im Bett liegen bleiben.“

Was tun bei chronischer Erschöpfung (Fatigue)?

Manche Prostatakrebs-Patienten leiden an einer chronischen Erschöpfung, also an dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Die Erschöpfung kann dann durch Schlaf nicht kompensiert werden. Sie wird begleitet von Konzentrationsschwächen, Vergesslichkeit und einer depressiven Stimmung. Die US-amerikanische Fatigue Coalition erstellte eine Liste mit elf Symptomen, von denen mindesten sechs vorliegen müssen, um Fatigue zu diagnostizieren.

Fatigue-Patienten haben keine Kraft, Freunde und Verwandte zu treffen. Dies führt zum Rückzug oder einer Selbstisolation und belastet so Beziehungen und soziale Kontakte. Es ist in diesem Fall äußerst wichtig, dem Arzt von Ihren Symptomen zu berichten und eine Behandlung gegen Fatigue in Anspruch zu nehmen. Falls Ihr Arzt nur geringe Erfahrungen mit dieser wenig erforschten Krankheit hat, können Sie sich an einen Spezialisten wenden, der bereits viele Fatigue-Patienten behandelt hat.

Schmerzbehandlung

Im fortgeschrittenen Stadium kann Prostatakarzinom zu starken Schmerzen führen. Es gibt Medikamente, mit denen Schmerzen gelindert werden. Die ärztlichen Leitlinien definieren unterschiedlichen Schmerzmedikationen. Dabei ist die Schmerzbehandlung abhängig von der Stärke der Schmerzen.

Um einzuschätzen, welches Medikament passend ist, bitten Ärzte Sie darum, Ihre Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn einzuschätzen. Während auf Schmerzstufe 1 leichtere Medikamente ausreichen (Nicht-Opioide), werden ab Schmerzstufe 3 starke Opioide verschrieben. Zu diesen zählt auch Morphium. Es ist gegen Schmerzen hochwirksam, macht aber schnell abhängig.

Nachsorge

Nach den Behandlungen treten bei manchen Patienten Spätfolgen der Therapie auf, wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen. Auch sollte weiterhin der PSA-Wert regelmäßig überprüft werden, um ein Rezidiv, das bedeutet eine Wiederkehr des Krebses, auszuschließen. Bei etwa 3 von 10 Männern kehrt der Krebs zurück.

Die Leitlinie schreibt vor: Spätestens zwölf Wochen nach dem Ende der Behandlung mit der Nachsorge zu beginnen. Zunächst erscheinen Sie zwei Jahre lang alle drei Monate bei Ihrem Urologen, im dritten und vierten Jahr kommen Sie alle sechs Monate und mit Beginn des fünften Jahres reicht ein jährlicher Besuch aus.

Rehabilitation

Die Rehabilitation ermöglicht Ihnen die Wiedereingliederung in Ihren Alltag. Die meisten Betroffenen leiden nach einer Operation an Stuhlinkontinenz und Erektionsstörungen. Diese Funktionen sollen durch physiotherapeutische Behandlungen mit einem speziellen Augenmerk auf Beckenbodentraining wiedergewonnen werden. Zudem soll Ihre psychische und physische Leistung bei einer Fatigue wieder gestärkt werden.

Den Alltag bewältigen

Eine Krebsdiagnose verändert den Alltag, Ihre Werte und Prioritäten im Leben sind nach der Therapie andere. Dies wirkt sich auch auf Ihr nächstes Umfeld aus. Wenn Sie mit Spezialisten über Ihre Situation reden wollen, können Sie sich an Psychoonkolgen wenden. In den Krebsbehandlungszentren und auch in den Rehabilitationseinrichtungen ist eine psychoonkologische Betreuung die Norm.

Neben der psychoonkologischen Betreuung können Sie im Krankenhaus nach einer Seelsorge fragen. In vielen medizinischen Einrichtungen sind Kapellen oder ein Raum der Stille als Rückzugsort zu finden. Fragen Sie danach, wenn Ihnen das wohltut!

Wenn Sie aufgrund Ihrer Behandlung für eine längere Zeit arbeitsunfähig sind, kann unter Umständen Ihr Einkommen ausfallen. Plötzlich stellen sich existenzielle Frage: Wer zahlt die Miete für die Wohnung oder die Raten für das Haus? Wo kommt das Geld für neue Anschaffungen her? Die erste Anlaufstelle bei allen sozialrechtlichen Fragen ist der Sozialdienst des Krankenhauses. Bitten Sie im Krankenhaus darum, dass ein Sozialdienstmitarbeiter zu Ihnen kommt. Falls die Fragen aufkommen, wenn Sie bereits aus dem Klinikum entlassen sind, können Sie einen Beratungstermin mit einem Spezialisten der Krebsgesellschaft vereinbaren.

Sorgen Sie sich nicht allzu sehr und konzentrieren Sie sich auf Ihre Genesung. Bei Fragen stehen Ihnen Ihre Ärzte, die Krebsberatungsstellen und der Sozialdienst des Krankenhauses zur Verfügung. Das Wichtigste ist jetzt die Therapie: Nehmen Sie sich die Auszeit, die Sie benötigen, um wieder gesund zu werden!

Quellen: 

AWMF online. Leitlinienprogramm Onkologie. Prostatakrebs I – Lokal begrenztes Prostatakarzinom. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLp2_S3_Prostatakarzinom_2021-07_01.pdf . Zuletzt abgerufen am 03.08.2021.

AWMF online. Leitlinienprogramm Onkologie. Prostatakrebs II – Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLp3_S3_Prostatakarzinom_2021-07.pdf. Zuletzt abgerufen am 03.08.2021.

Prostata Hilfe Deutschland. Ernährung und Krebs – 10 Tipps zum Schutz. https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/ernaehrung-krebs-vorbeugen. Zuletzt abgerufen am 03.08.2021.