In der Martini-Klinik in Hamburg werden deutschlandweit die meisten Männer mit Prostatakrebs behandelt. Der Urologe Tobias Maurer arbeitet dort als leitender Arzt. Im Interview klärt er über moderne Therapieverfahren auf.
Bevor die Entscheidung zur Operation fällt, steht beim Prostatakarzinom die Diagnostik im Vordergrund. Der PSA-Wert und die MRT-Bildgebung sind hierbei zentrale Säulen. Prof. Maurer betont, dass das MRT heute der „bildgebende Goldstandard zur Detektion eines Prostatakarzinoms“ ist. Nach der Diagnose und vor dem eigentlichen Eingriff können Patienten selbst aktiv werden. Besonders das Beckenbodentraining spielt eine Rolle, um die spätere Kontinenz zu unterstützen. Maurer rät dazu, bereits vor der OP zu beginnen.
Die Wahl der Methode: Robotik oder offene OP?
In der modernen Urologie wird häufig die roboterassistierte Chirurgie (z. B. DaVinci) eingesetzt. Laut Leitlinien sind die offene Operation und die Robotik als gleichwertig anzusehen. Prof. Maurer erklärt den Unterschied differenziert: „In der B-Note hat die Robotik Vorteile, aber ein guter offener Operateur wird die gleichen Ergebnisse meiner Meinung nach haben wie ein guter Roboteroperateur“. Viel entscheidender als die Technik selbst sei die Erfahrung des Chirurgen.
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Folgen der Operation: Inkontinenz, Impotenz und Unfruchtbarkeit
Ein operativer Eingriff an der Prostata bringt unvermeidbare und mögliche Nebenwirkungen mit sich:
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- Unfruchtbarkeit: Eine „hundertprozentige Nebenwirkung“ der kompletten Prostataentfernung ist die Zeugungsunfähigkeit.
- Inkontinenz: Die Chancen auf eine schnelle Genesung der Kontinenz stehen heute gut. Bei modernen, nervschonenden Techniken sind nach sechs Monaten „deutlich über 90 %“ der Patienten wieder kontinent.
- Impotenz: Die Erhaltung der Potenz hängt stark von der Tumorlage und der Möglichkeit einer nervschonenden OP ab. Maurer beschreibt die Nerven nach dem Eingriff oft als „beleidigt“, da sie Zeit zur Erholung benötigen. Realistisch gesehen ist nach einem Jahr etwa „ein Drittel der Patienten eigentlich so wie vor der OP“, ein weiteres Drittel kommt mit Hilfsmitteln gut zurecht, und beim letzten Drittel funktioniert es trotz Nervschonung nicht mehr.
Nachsorge und Rehabilitation
Die Operation dauert meist zwischen 90 Minuten und drei Stunden; eine sorgfältige Arbeitsweise ist hier wichtiger als Schnelligkeit. Nach dem Eingriff tragen Patienten für etwa 5 bis 14 Tage einen Katheter. Zur Genesung gehört auch eine frühzeitige Mobilisation: „Wir ermutigen die Patienten viel zu laufen, damit der Darm wieder in Schwung kommt“, sagt Maurer.
Nach dem Krankenhausaufenthalt verbringen die meisten Patienten zunächst einige Tage zu Hause, bevor sie eine zwei- bis dreiwöchige Reha (Kur) antreten. In Deutschland unterstützen Sozialdienste in den Kliniken bei der Organisation dieser Maßnahmen. Die langfristige Nachsorge findet beim niedergelassenen Urologen statt, wobei die erste PSA-Wert-Kontrolle in der Regel nach drei Monaten erfolgt.
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In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Prostatakrebs-OP? Welche Therapien werden angeboten? Was genau passiert am OP-Tag? Antworten auf diese und weitere Fragen geben Tobias Maurer, Leitender Arzt an der Martini-Klinik Hamburg, und Lukas Hoffmann, Ex-Journalist beim Handelsblatt, in ihrem Ratgeber für Prostatakarzinom-Patienten. Klicken Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr zu erfahren!
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