Künstliches Kniegelenk
Nach einer Knie-TEP ist eine gesunde Ernährung wichtig. ©Askar Abayev/CC0

Wie lebt man mit einem künstlichen Knie? Was darf man tun, was sollte man vermeiden? Hier wird auf einige wichtige Punkte eingegangen.

Nach der Knie-Operation haben Sie drei Wochen lang in einer Rehabilitationsklinik gelernt, mit der Knieprothese zu gehen. Sie haben Ihre Beweglichkeit zurückerlangt und sind nun zu Hause, um Ihren gewohnten Alltag wieder aufzunehmen. Aber nur, wenn Sie gut schlafen und essen und sich ausreichend bewegen, wird der Heilungsprozess weitergehen.

Ernährung

Ihr behandelnder Arzt hat den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks als Folge der Gonarthrose, dem Gelenkverschleiß in Ihrem Knie genannt. Ursachen für den Verschleiß des Gelenkknorpels sind Fehl- oder Überbelastungen. Auch wenn Sie nun über ein künstliches Kniegelenk verfügen, das Ihnen bald eine schmerzfreie Bewegung ermöglichen wird, so sind die arthrotischen Vorgänge in Ihrem Körper noch weiter im Gange. Damit Sie Ihre Knieprothese so lang wie möglich ohne eine zweite Operation behalten und den Verschleiß weiterer Gelenke wie z.B. der Hüfte oder dem anderen Knie verhindern können, ist eine gesunde Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht von Vorteil.

Adipositas (krankhaftes Übergewicht)

Übergewicht führt im Allgemeinen zu einer erhöhten mechanischen Belastung der Gelenke. Insbesondere die Hüft- und Kniegelenke werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Hüfte und das Knie übertragen das gesamte Gewicht des Oberkörpers auf die Füße und ermöglichen so den aufrechten Gang – Schritt für Schritt. Nur fünf Kilogramm Übergewicht verdoppeln das Risiko einer arthrotischen Erkrankung. In Dänemark wiesen Forscher nach, dass sich die Schmerzen bei einer Gewichtsreduktion von nur einigen Kilos deutlich verringern, selbst wenn es bereits zu röntgenologisch sichtbaren Schäden im Kniegelenk gekommen ist. Unterschätzen Sie also keineswegs den positiven Effekt der Gewichtskontrolle, auch wenn es nur einige Pfunde weniger sind.

Mit Übergewicht gehen Stoffwechselerkrankungen einher wie z.B. Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, eine reduzierte Aktivität der Bauchspeicheldrüse oder Diabetes. Überschüssige Kalorien und Fette, die Ihr Körper nicht verbrennen kann, werden als Fettgewebe hauptsächlich unter der Haut gelagert. Die Entstehung von Fettgewebe fördert wiederum die Entstehung von hormonähnlichen Stoffen, den Adipokinen. Die Adipokine veranlassen die Bildung von Entzündungshormonen und diese bauen weiterhin Knorpelgewebe ab. Weitere Stoffwechselerkrankungen, die den Knorpelabbau fördern, sind beispielsweise Gicht. Sollte eine der oben beschriebenen Vorerkrankungen vorliegen, fragen Sie bei Ihren behandelnden Arzt über die Auswirkungen auf Ihre Genesung nach.

Gewichtsreduktion und arthrosegerechte Ernährung

Doch wie erreichen Sie eine gesunde und kontrollierte Gewichtsreduktion? Beachten müssen Sie nur einige Ernährungsprinzipien:

  • Verzichten Sie auf Tiefkühl- und Fertignahrung. Diese enthalten oft synthetisch hergestellte Fette, die der Körper nur aufwändig verarbeiten kann. Über etliche Umwege werden sie letztendlich ins Fettgewebe eingelagert.
  • Wählen Sie die richtige Beilage. Entscheiden Sie sich für eine Trennkost und kombinieren Sie nicht Kohlenhydrate mit Proteinen. Oder Kohlenhydrate mit Fetten. Der Salat wird Ihr treuer Begleiter auf dem Teller.
  • Olivenöl statt Butter! Kontrollieren Sie Ihren Cholesterinspiegel, indem Sie auf Butter, Margarine oder Sahne verzichten. Ein hoher Cholesterinspiegel gilt als Risikofaktor für Gefäßwanderkrankungen, die wieder Entzündungsreaktionen im Körper begünstigen.
  • Setzen Sie Obst und Gemüse auf Ihren Ernährungsplan. So decken Sie den Tagesbedarf an anderen Vitaminen und Nährstoffen ab und vermeiden gleichzeitig auch die Entstehung von anderen Erkrankungen.
  • Trinken Sie ausreichend! Zwei bis drei Liter Wasser ohne Kohlensäure sind optimal für den Kreislauf und die Nierenfunktion.
  • Sie können bereits in Ihrer Rehaklinik einen Ernährungsberater konsultieren. Fragen Sie nach Rezeptbüchern oder informieren Sie sich auch online über den Verein CookUOS.

Neben einer Gewichtsreduktion können Sie auch auf eine sogenannte arthrosegerechte Ernährung umsteigen. Der Fokus liegt hier auf anti-entzündlichen Nahrungsmitteln, also Pflanzen und Ölen, die Entzündungsreaktionen und damit auch Schmerzen verringern. Bei der arthrosegerechten Ernährung gilt:

  • Verzichten Sie auf Zucker und Kohlenhydrate. Verringern Sie im Allgemeinen Weißmehlprodukte, denn diese fördern Entzündungsreaktionen.
  • Nehmen Sie Omega-3-Fettsäuren zu sich. Sie unterstützen den Körper bei der Entzündungsbekämpfung. Omega-3-Fettsäuren finden sich in Fischen wie Lachs und Hering. Oder geben Sie einen Schuss Leinöl auf Ihren Salat.
  • Vitamine für den Gelenkknorpel: Als stabilisierend für den Knorpel gilt vor allem Silizium (in Kieselsäure enthalten). Kieselsäure findet sich u.a. in Hafer, Naturreis, Gerste oder Hirse.
  • Obst- und Gemüsesorten und Kräuter sind ebenfalls entzündungshemmend. Zu nennen sind hier Nahrungsmittel wie Brokkoli, Meerrettich, Spinat, Knoblauch, Blaubeeren, Orangen.

Bewegung und Sport

Nach Ihrer Operation braucht die Muskulatur eine Erholungsphase von sechs Wochen. Danach haben Sie in der Regel wieder genug Kraft, um Alltagsbewegungen selbstständig auszuführen. Allerdings hängt diese Dauer auch vom Alter, dem Zustand der Muskulatur, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und vor allem auch Ihrer Motivation ab, physiotherapeutische Übungen zu Hause durchzuführen. Der Bewegungsumfang bei einer Knie-TEP reicht oft bis 100 oder 110 Grad. Trotzdem sollten Sie es vermeiden, zu hocken, hinzuknien oder die Beine zu überkreuzen. In der Regel können Sie nach drei Monaten wie gewohnt arbeiten gehen und sich nach drei bis sechs Monaten sportlichen Aktivitäten widmen, die für Ihr neues Gelenk geeignet sind.

Beim Sport gilt: Bewegen Sie sich möglichst viel, aber gelenkschonend. Das heißt, Sportarten mit geringer Belastung für Ihr Kniegelenk sind optimal für Sie.

Sportliche Aktivitäten, die Sie möglichst vermeiden sollten, sind:

  • Kampfsport
  • Rugby
  • Hockey
  • Teamsportarten wie Fußball, Basketball, Handball und Volleyball, in denen es oft hektisch zugeht, sodass Sie einer Sturzgefahr ausgesetzt werden.

Folgende Sportarten sind geeignet für Sie:

  • Radfahren auf geraden Wegen. Achten Sie auf die Höhe Ihres Sattels, sollte die Sitzhöhe zu niedrig sein, müssen Sie Ihr Knie stärker beugen und damit belasten.
  • Gymnastik, auch im warmen Wasser
  • Schwimmen
  • Tanzen
  • Spaziergänge, Walking
  • Tanzen
  • Golfen

Vergessen Sie nicht Ihre Kniebandagen zu tragen und sich aufzuwärmen. So verhindert Sie Bänder- oder Muskelrisse oder eine plötzliche Überforderung. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Lieblingssportart auch weiterhin für Sie geeignet ist, fragen Sie Ihren behandelnden Arzt.

Reisen

Nach zwei bis drei Monaten können Sie auch wieder in den Urlaub fahren. Es stehen Ihnen verschiedene Transportmittel zur Verfügung, bei denen es Vor- und Nachteile gibt. Beachten Sie, dass Sie bei längeren Reisewegen auch länger Sitzen müssen. Vertreten Sie sich so oft wie möglich die Beine. Sollten Sie gezwungen sein, für eine längere Zeit auf Ihrem Sitzplatz zu bleiben, denken Sie an die Muskel-Venen-Pumpe. Indem Sie Ihren Fuß zum Körper hin Beugen und wieder ausstrecken, regen Sie die Blutzirkulation in den Beinen an. Es sammelt sich so kein Blut in den Beinen und Sie verringern das Risiko von Ödemen an den Fußgelenken. Je nach Transportmittel, gibt es Vor- und Nachteile.

Auto

Das Gute an den Autofahrten ist, dass Sie flexibel sind. Sie können Pausen machen, wann immer Sie möchten. Allerdings ist der Raum begrenzt und die Bewegung eingeschränkt. Wenn Sie auf dem Rücksitz Platz nehmen, können Sie Ihr operiertes Bein hochlagern.

Etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation können Sie sich auch wieder selbst hinter das Lenkrad setzen. Ihr Bein muss dafür wieder fit genug sein, um sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden. Neben der Schmerzfreiheit ist auch wichtig, wie sicher Sie mit Ihrem neuen Gelenk sind. Bedenken Sie, dass Sie auch kurzfristig in Notsituationen schnell und kraftvoll auf die Bremse treten müssen.

Zug

Bei kürzeren Inlandsreisen und Fahrten ins angrenzende Ausland, ist die Zugfahrt dem Flugzeug oder dem Auto vorzuziehen. Im Zug haben Sie in der Regel genug Platz, das Bein hochzulagern. Zudem können Sie sich im Zugabteil die Beine vertreten. Unterstützung beim Tragen oder Verstauen Ihres Gepäcks erhalten Sie vom Hilfsservice am Bahnhof.

Flugzeug

Sollten Sie sich für eine Flugzeugreise entscheiden, bedenken Sie, dass Sie kaum Platz für Bewegung haben. Insbesondere bei Langstreckenflügen haben Sie kurz nach der Operation ein erhöhtes Thromboserisiko. Konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt vor einer Flugreise. Er kann Ihnen eine Thrombose-Prophylaxe Fertigspritzen verschrieben. Durch die einfache Handhabung der Spritzen können Sie sich diese selbst verabreichen oder Ihren Reisepartner darum bitten. Berücksichtigen Sie auch, dass Sie ausreichend Wasser trinken, am besten ein Glas Wasser pro Stunde. Auch im Terminal können Sie den Hilfsservice bitten, Ihr Handgepäck zu tragen.

Wundern Sie sich nicht, wenn die Metalldetektoren beim Check-In Alarm schlagen. Auch wenn Implantate selten einen Alarm auslösen, enthalten manche Prothesentyp Metalllegierungen. Vor der Abreise empfiehlt es sich deshalb, beim Orthopäden nachzufragen, ob Sie einen Endoprothesenpass benötigen. Darin ist das Operationsdatum, der Prothesentyp, das Material der Endoprothesenteile und das Datum für die Kontrolluntersuchung eingetragen. Der Implantatpass ist zwar kein offiziell anerkanntes Dokument, hilft Ihnen in solchen Situation aber weiter.

Schlaf

Nach der Operation sollten Sie zunächst auf dem Rücken schlafen. Die Seitenlage ist mit einem Kissen zwischen den Beinen möglich. Auf Bauchlage sollten sie in den ersten drei Wochen verzichten, weil sie zur Reizung der Wunde oder Narbe führen kann. Wenn in der Rückenlage bei durchgestrecktem Knie Ihr Bein schmerzt, so können die Kniekehle mit einem kleinen Kissen oder einem Sandsack unterstützen werden. Ein geringgradiger von unten gepolsterter Knick sollte Ihre Schmerzen lindern.

Beim Aufstehen und Hinlegen sollten Sie auf kontrollierte Bewegungen achten. Stützen Sie sich am besten ab. So verringern Sie Sturzgefahren und verhindern Verdrehungen oder Stöße gegen das Knie. Nach einem Monat können Sie wieder Ihre gewohnte Schlafhaltung einnehmen.

Sexualität

In den ersten sechs bis acht Wochen ist auch beim Sex Vorsicht geboten. Passive Stellungen, bei denen Sie auf dem Rücken liegen, sind gefahrlos möglich. Achten Sie aber immer darauf, dass Sie während des Akts schmerzfrei sind. Kurz nach der Operation kann es vorkommen, dass Sie wegen der Erschöpfung, die so einer Operation nun einmal mit sich bringt, keine Lust verspüren. Teilen Sie dies Ihrem Partner mit. Geben Sie sich Zeit, bis Sie sich wieder fit und wohl fühlen. Anfangs Angst vor falschen Bewegungen zu haben, ist völlig verständlich. Aber mit etwas Zeit, Vorsicht und Informationen über geeignete Stellungen können Sie bald nach der Operation wieder ein aktives Sexualleben führen.

Operierte Frauen

Allgemein sollten Sie beim Sex Stellungen wählen, bei denen weder Ihr Gewicht noch das Ihres Partners das Knie belastet. Operierte Frauen können auf dem Rücken liegen, sodass der Mann oben ist (Missionarsstellung). Sie darf das operierte Kniegelenk aber nicht mehr als 90 Grad beugen. Vermeiden Sie Positionen, bei denen das Knie zu stark Richtung Bauch gebeugt wird oder das operierte Bein Richtung Körpermitte gezogen wird. Ebenfalls zu vermeiden sind Stellungen, die eine Innenrotation des Knies erzwingen. Diese liegt vor, wenn die Zehen nach innen gedreht sind.

Operierte Männer

Auch hier gilt: Vermeiden Sie starke Beugungen und Abwinkelungen des Kniegelenks. Sie können auch Kissen und gerollte Handtücher verwenden, um Ihr Knie abzustützen. Daher bieten sich in den ersten sechs Monaten nach der Operation Positionen an, bei denen die Frau oben ist und der Mann auf dem Rücken liegt. Ebenso ist der Geschlechtsverkehr im Sitzen oder in Löffelstellung möglich.

Auch wenn das Thema Sexualität sensibel ist, so können Sie sich bei Fragen und Schmerzen an Ihren behandelnden Arzt wenden. Er hat derartige Gespräche in seiner langen Laufbahn als Arzt schon oft geführt und kann Ihnen Tipps geben.

Quellen: 

Ärztezeitung. Adipositas. Adipositas fördert Arthrose in allen Gelenken.  https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Adipositas-foerdert-Arthrose-in-allen-Gelenken-392625.html . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Kniearthrose (Gonarthrose). Gelenkersatz bei Kniearthrose. https://www.gesundheitsinformation.de/gelenkersatz-bei-kniearthrose.html#Wie-gut-hilft-ein-künstliches-Kniegelenk? . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021 

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Kniearthrose (Gonarthrose). Was kann ich selbst tun, um meine Knie zu stärken?. https://www.gesundheitsinformation.de/was-kann-ich-selbst-tun-um-meine-knie-zu-staerken.html . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Kniearthrose (Gonarthrose). Ursache. https://www.gesundheitsinformation.de/kniearthrose-gonarthrose.html#Ursache . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021

Rheumaliga Schweiz. Ernährung bei Arthrose. https://www.rheumaliga.ch/blog/2018/ernaehrung-bei-arthrose . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021

Schauf, Gunner. Sex fur Prothetiker. Liebesstellungen für Menschen mit künstlichen Gelenken. https://sexfuerprothetiker.de/pdf/sex-fuer-prothetiker-webvorschau.pdf . Zuletzt abgerufen am 13.05.2021