
Welche Sportarten darf man mit einem künstlichen Kniegelenk machen? Welches Transportmittel ist bei Reisen zu empfehlen? Hier wird auf einige wichtige Punkte eingegangen.
Ein Beitrag von Dr. Thorsten Gehrke und Lukas Hoffmann
In der Regel können Sie drei bis vier Monate nach der Operation wieder mit der moderaten, sportlichen Betätigung beginnen. Die Grundvoraussetzung für die Wiederaufnahme von sportlichen Aktivitäten ist die einwandfreie Funktionalität Ihres neuen Gelenks in seinem Muskelkorsett. Sprechen Sie, bevor Sie Sport machen, in jedem Fall mit Ihrem Orthopäden. Wenn Sie einen unauffälligen Röntgenbefund und ein ausreichend belastbares Herzkreislaufsystem haben und keine belastungsabhängigen Schmerzen mehr verspüren, steht Ihrer sportlichen Betätigung nichts mehr im Wege.
Allerdings gibt es einige Sportarten, die Sie nun nicht mehr ausüben sollten. Hierzu gehören Aktivitäten, die das Gelenk durch ruckartige Bewegungen und Stöße belasten, wie zum Beispiel die Kontaktsportarten Fußball, Volleyball oder Handball. Man sollte auch auf intensives Lauftraining (Langstreckenlauf) möglichst verzichten, wenn man kein versierter Läufer ist.
Sportarten, die mit rhythmischen und kontrollierten Bewegungen verbunden sind, wird Ihnen der behandelnde Orthopäde empfehlen. Dazu gehören zum Beispiel Aquajogging, Radfahren oder Schwimmen. Aber auch Sportarten mit einer größeren Dynamik, wie Rudern, Tanzen oder Kegeln, sind möglich. Hier müssen dann jeweils bestimmte Verhaltensregeln eingeübt werden.
Grundsätzlich gilt für den Sport mit einer Endoprothese, dass alle Sportarten, die man vor der Operation sicher und gut beherrscht hat, auch mit einer Prothese nach der Operation wieder möglich sind.
Reisen
Auf Urlaubsreisen müssen Sie mit einem künstlichen Knie nicht verzichten. Sie können, wie vor der Operation, im Flugzeug, im Auto oder im Zug reisen. Jedes Transportmittel hat seine Vor- und seine Nachteile. Grundsätzlich gilt: Versuchen Sie bei längerem Sitzen die Füße zu bewegen, indem Sie zum Beispiel die Zehen im Schuh krallen oder die Füße nach oben und unten bewegen. Gehen Sie, sofern möglich, kurze Strecken im Flugzeug oder im Zugabteil. Bei längerem Sitzen kann sich Blut und Gewebewasser in den Beinen sammeln.
Beim Reisen mit dem Auto können Sie Pausen machen, wann Sie möchten. Das ist der Vorteil. Allerdings ist der Raum begrenzt und die Bewegung eingeschränkt. Alternativ steigen Sie nicht auf der Beifahrerseite, sondern hinten ein und lagern das operierte Bein schräg auf der Sitzbank.
Sie können auch selbst Auto fahren, müssen hier aber warten, bis das operierte Bein wieder „bremssicher“ ist. In einer Notsituation müssen Sie schmerzfrei und schnell reagieren können. Wenn das linke Bein operiert wurde und Sie eine Automatik-Schaltung bedienen, können Sie sich unter Umständen direkt nach dem Krankenhausaufenthalt wieder hinter das Steuer setzen.
Bei kürzeren Inlandsreisen ist der Zug dem Auto oder dem Flugzeug vorzuziehen. Denn im Abteil können Sie jederzeit aufstehen und sich bewegen und haben darüber hinaus ausreichend Platz, um das Bein hoch zu lagern. Zudem gibt es im Rahmen der Zugreise einen umfassenden Hilfsservice. Sie können Ihr Gepäck zum Beispiel durch einen Gepäckservice von Haus zu Haus versenden. So reisen Sie stressfrei und nur mit leichtem Handgepäck.
Mit dem Flugzeug können in kurzer Zeit große Strecken überwunden werden, das bedeutet für Sie: Die Zeit des Stillsitzens verkürzt sich. Allerdings haben Sie im Flugzeug nur sehr wenig Platz. Daher müssen Sie eine Flugreise gut vorbereiten. Insbesondere bei Langstreckenflügen besteht bei frisch operierten Patienten ein erhöhtes Thromboserisiko. Hier helfen Fertigspritzen, die Sie sich selbst spritzen können. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig (150ml Wasser/Stunde) und die Aktivierung der Muskulatur, indem Sie umher gehen oder die Beine im Sitzen durch rhythmische Gymnastik bewegen.
Erschrecken Sie nicht, wenn die Metalldetektoren beim Check-In ausschlagen. Die Prothese kann Metallteile enthalten. Bitten Sie Ihren Arzt vor der Abreise um eine Bescheinigung, dass Sie Prothesenträger sind oder lassen Sie sich von Ihrem Operateur einen Endoprothesenpass ausstellen, auf dem das Operationsdatum, der Prothesentyp, das Material der Endoprothesenteile und die Daten für die Kontrolluntersuchungen vermerkt sind.
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In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Knie-OP? Wie wirksam ist eine Prothese? Was genau passiert am OP-Tag? Thorsten Gehrke, Chefarzt der Helios Endo-Klinik Hamburg und Lukas Hoffmann, Ex-Journalist beim Handelsblatt, haben einen Ratgeber für Knieprothesen-Patienten geschrieben. Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch. Klicken Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr zu erfahren!
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