Künstliches Kniegelenk
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Wie läuft die Operation eines künstlichen Knies ab? Wie sollte man sich vorbereiten und was gibt es im Krankenhaus nach der Operation zu beachten? Diese Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet.

Wenn die Arthrose Ihres Knies Ihnen große Schmerzen bereitet und weder Bewegungstherapie noch Schmerzmedikation Ihre Lebensqualität bessern, dann raten die Ärzte zu einem künstlichen Kniegelenk. Die Operation bringt Vorteile, hat aber auch Risiken. Hier steht, wie der OP-Tag abläuft, und wie Sie zu einer gelingenden Operation beitragen können.

Die Wochen vor der OP – das können Sie tun

Fitnesstraining

Es ist ratsam, sich bereits einige Wochen vor Ihrem Operationstermin über Fitnessprogramme zu erkundigen. Wenn Sie Ihre Beinmuskulatur stärken, entlasten Sie Ihr Knie. Denn kräftige Muskeln übernehmen mehr Arbeit, die mechanische Belastung für das Knie wird so geringer.

Wichtig ist aber auch, Ihr Knie nicht zu stark zu belasten. Der Grundsatz lautet: Viel Bewegung mit möglichst geringer Belastung. Am besten ist, sich beim Hausarzt oder Orthopäden über das passende Fitnesstraining zu informieren oder sich eine physiotherapeutische Behandlung verschreiben zu lassen. Physiotherapeuten bringen Ihnen in kurzen Sitzungen bei, welche Bewegungsübungen in Ihrem Fall geeignet sind. Diese sollten Sie zu Hause wiederholen. Mit regelmäßiger Bewegung stärken Sie zusätzlich Ihren Kreislauf, sodass Sie nach der Operation schneller auf die Beine kommen.

Gewichtsabnahme

Die mit der Arthrose verbundenen Schmerzen kann zu weniger Bewegung führen. Möglicherweise haben Sie einige Kilos zugelegt. Untersuchungen zeigen, dass eine Gewichtsreduktion von nur 5 Prozent die Beweglichkeit nach der Knie-OP steigert, Schmerzen lindert und zu einer schnelleren Genesung führt. Auch ein Nikotinkonsum gilt als Komplikationsrisiko. Die Operation könnte ein Anlass sein, um mit dem Rauchen aufzuhören und einige Pfunde abzuspecken.

Der Tag vor der Operation

Negativer Coronatest ist Voraussetzung für OP

Denken Sie daran, dass Sie vor der Operation einen negativen Coronatest nachweisen müssen. Die Kliniken haben hier unterschiedliche Zeitabläufe. Die meisten bitten Sie, am Tag vor Ihres Krankenhausaufenthalts den Abstrich im Krankenhaus nehmen zu lassen. Das Ergebnis liegt dann am Folgetag vor, sodass Sie stationär aufgenommen werden können. Bei einigen Kliniken wird der Test direkt nach der Aufnahme durchgeführt und das Ergebnis liegt dann Abends vor. In jedem Fall müssen Sie am OP-Tag ein negatives Testergebnis vorweisen.

Blutabnahme, Röntgenaufnahme & Co

Am Aufnahmetag werden Sie körperlich untersucht. Zudem wird Ihnen Blut abgenommen und Sie geben Urin ab. In der Regel wird auch ein EKG für die Untersuchung Ihrer Herzaktivität sowie ein Röntgenbild Ihrer Lunge gemacht.

Die behandelnden Ärzte erheben Ihre Anamnese. Das bedeutet, Sie fragen nach Vorerkrankungen, Allergien und früheren Operationen. Je genauer die Ärzte über Ihren Gesundheitszustand informiert sind, desto wahrscheinlicher ist eine komplikationsfreie Operation. Deshalb bietet es sich an, dass Sie alle Informationen bereits zuvor zusammentragen. Hier finden Sie ein PDF mit Formularen zum Herunterladen. Sie können diese am heimischen Rechner ausdrucken und ausfüllen. So sind Sie auf die Fragen der Ärzte und des Klinikpersonals vorbereitet.

Aufklärungsgespräch

Im Aufklärungsgespräch sind nun Sie mit Ihren Fragen an der Reihe. Ihr operierender Facharzt beantwortet alle Fragen rund um die Operation. So erhalten Sie Informationen zur Dauer des Eingriffs, zum Schwierigkeitsgrad und zu mögliche Komplikationen. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, Sie auf alle Risiken hinzuweisen, auch wenn diese nur sehr gering sind.

So treten die meisten Komplikationen nur bei 1 bis 5 Prozent der Patienten auf und sind bei dem heutigen Stand der Medizin gut beherrschbar. Vorbeugende Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Bewegung und Rauchstopp vermindern zudem die Risiken. Dennoch sollten Sie sich vor dem Eingriff mit den Operationsrisiken beschäftigen, um das Für und Wider einer Operation abwägen zu können.

Der Operationstag

Die Narkose

Die Ärzte führen den operativen Einsatz eines künstlichen Kniegelenks in der Regel unter Vollnarkose durch. Bei einer Vollnarkose werden neben dem Bewusstsein und der Schmerzempfindung auch die Schutzreflexe, wie zum Beispiel Schluck- oder Hustenreflexe, unterdrückt. Nehmen Sie am Tag der Vollnarkose keine feste Nahrung mehr zu sich und trinken Sie auch nichts mehr. Wenn Sie erst Mittags operiert werden, kann dies sicher anstrengend werden. Es ist aber wichtig, dass Sie diese ärztliche Anordnung einhalten, weil sonst die Gefahr besteht, dass Mageninhalt in den Rachen gelangt, eingeatmet wird und Sie an einer schweren Lungenentzündung erkranken.

Am Tag der Operation dürfen Sie zudem nicht mehr rauchen. Kontaktlinsen oder Brillen werden nicht mit in den OP-Raum genommen. Zahnprothesen und Perücken müssen auch zurückgelassen werden. Ebenso dürfen abnehmbare Schmuckstücke, wie Ohrringe, Ringe oder Halsketten, nicht mit und können stattdessen im Tresor in Ihrem Patientenzimmer aufbewahrt werden. Diese Regelungen dienen dazu, eine möglichst keimfreie und sterile Umgebung herzustellen.

Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sprechen Sie dies an. Der Anästhesist weiß, welches Medikament Sie vor der Operation absetzen müssen.

Sie erhalten am Morgen des Operationstages ein leichtes Beruhigungsmittel und spezielle, leichte Bekleidung: Ein weites OP-Hemd, das Ihnen bis kurz oberhalb der Knie reicht, eine OP-Unterhose und ein Haarnetz. Das Krankenpflegepersonal wird Ihr Bein, das operiert werden soll, noch rasieren. Sie können diese Rasur auch im Vorfeld zu Hause vornehmen.

Anschließend werden Sie von einer Fachpflegekraft auf Ihrem Patientenbett in einen Vorbereitungsraum gerollt, wo ein Fachpfleger und der Narkosearzt Sie weiter betreuen. Zur Vorbereitung auf die OP werden Ihnen EKG-Elektroden, eine Blutdruckmanschette und eine Verweilkanüle in eine Armvene gelegt. Durch einen Fühler (Pulsoxymeter) am Finger oder am Ohr wird während der Operation kontinuierlich der Sauerstoffgehalt Ihres Blutes gemessen. In diesem Zwischenraum kann es durchaus kühl werden. Dies liegt an dem Belüftungssystem, das eine Keimverbreitung verhindert. In der Regel bekommen Sie eine leichte Decke.

Die Vollnarkose wird Ihnen entweder wie ein Medikament gespritzt oder mit der Atemluft verabreicht. Sie schlafen innerhalb von einer Minute ein.

Die Operation

Die Operation wird immer von einem erfahrenen Facharzt durchgeführt oder von ihm angeleitet. An der Operation sind außerdem zwei bis drei ärztliche Assistenten beteiligt, die von zwei Operationspflegern und -schwestern  unterstützt werden. Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Die Operation dauert, je nach Fall, zwischen 35 und 100 Minuten und hängt von der Operationstechnik und der für Sie ausgewählten Prothese ab.

Aufwachraum oder Intensivstation

Nach der Operation wachen Sie im Aufwachraum auf oder werden auf die Intensivstation gebracht. Während Sie noch schlafen, wird mit einem tragbaren Röntgengerät das erste Kontrollbild nach der Operation gemacht.

Der Narkosearzt entscheidet, ob und wie lange Sie auf der Intensivstation betreut werden. Dies hängt auch von Ihren Begleiterkrankungen ab, die eventuell eine genauere und längere Beobachtung notwendig machen. Unabhängig davon, wohin Sie gebracht werden, müssen Sie dank moderner Medikamente nur Schmerzen in einem erträglichen Maß erleiden. Schmerztabletten liegen auf Ihrem Nachttisch in einer Medikamentenbox, die täglich für Sie nachgefüllt wird.

Die Wochen nach der OP im Klinikum

Der Tag nach der OP

Sie werden am Tag nach der Operation Schmerzen verspüren. Es kann sich um einen Wundschmerz handeln, auch Spannungsschmerzen an den Weichteilen und Knochen sind möglich. Aber machen Sie sich keine Sorgen! Sie sind im Klinikum im ständigen Kontakt mit dem Narkosearzt, sodass die Medikamente entsprechend eingestellt werden. Krankenpfleger/-Innen kleiden Sie kurz nach dem Aufwachen mit Ihren eigenen Schlafsachen ein und fragen Sie regelmäßig nach Ihren Schmerzen. Sie werden also umfassend betreut.

Thrombose vermeiden

Grundsätzlich gilt: Je früher Sie wieder auf die Beine kommen, desto besser. Denn je schneller Sie sich wieder bewegen, desto kleiner ist das Risiko von Thrombosen (Blutgerinnselbildung), weil die Blutzirkulation angekurbelt wird.
Möglicherweise bleiben Sie an Tag 1 nach der OP aber im Bett, weil noch ein Drainageschlauch ans Gelenk angeschlossen ist, um Blutansammlungen abzuleiten. Spätestens wenn alle Schläuche entfernt sind, können Sie mithilfe des Physiotherapeuten aufstehen und erste Gehübungen machen. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kreislauf nach dem ersten Aufstehen „in die Knie“ geht. Das ist nach der Narkose in vielen Fällen normal.
Der erste Toilettengang erfolgt oft mit einem Rollstuhl und der Hilfe der Krankenpfleger/-Innen. Die Toiletten und Duschen sind geräumig und mit Griffen ausgestattet. Sollten Sie am ersten Tag noch nicht bereit für den Toilettengang sein, wird Ihnen eine Bettpfanne/Urinflasche gebracht.

Auch im Liegen können Sie etwas gegen Thrombose tun, indem Sie möglichst oft Ihre Wadenmuskulatur und Oberschenkelmuskulatur anspannen und im Bett den Fuß bewegen, ohne das Bein anzuheben. Durch die Fußbewegung zur Körpermitte hin und wieder zurück regen Sie die Blutzirkulation in den Beinen an (Muskel-Venen-Pumpe). Außerdem erhalten Sie mindestens einmal am Tag eine Spritze mit einem gerinnungshemmenden Medikament.

Ernährung

Es ist absolut notwendig, dass Sie in der ersten Zeit nach der Operation viel trinken. Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig für die Wundheilung, denn Nährstoffmangel kann die Genesung verzögern. Essen Sie viel Obst und Gemüse! Vitamin C ist erforderlich für die Geweberegeneration, Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Zink sind ebenfalls wichtig. Sie sollten in dieser Phase keine intensive Diät durchführen.

Physiotherapie

In den ersten Wochen sind bestimmte Bewegungen des Knies verboten. So dürfen Sie das Knie nicht über 90 Grad beugen. Ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin wird Sie während des gesamten Krankenhausaufenthaltes begleiten und kann Ihnen sagen, welche Übungen sinnvoll sind.
Wenn Sie zunehmende Sicherheit gewinnen, können Sie kleine Ausflüge in Ihrem Zimmer oder im Krankenhaus unternehmen. Man wird dann auch das Treppensteigen mit Ihnen üben. Im Idealfall tragen Sie rutschfeste Schuhe, in die Sie hineinschlüpfen können. Das tiefe Bücken zum Schuhbinden ist in dieser Phase noch nicht möglich.

Fäden ziehen

Die durchschnittliche Verweildauer in der Klinik beträgt heute zwischen 7 und 10 Tagen. Vielfach können sogenannte Duschpflaster auf der Wunde appliziert werden, sodass Sie auch schon frühzeitig wieder Duschen können. Nach 10 bis 15 Tagen ist die Wundheilung abgeschlossen. Die Fäden werden gezogen und wenn die Narbe dann 24 Stunden lang keine Flüssigkeit absondert, ist sie dicht und sie können wieder ohne Pflaster duschen. Nun ist der Krankenhausaufenthalt für Sie zu Ende. Als Nächstes werden Sie eine auf Kniepatienten spezialisierte ambulante oder stationäre Rehaklinik besuchen.