Gebäude der Reha-Klinik Hohenelse
Gebäude der Reha-Klinik Hohenelse; Foto: Oberlausitzerin64/CC0

Welche Rehakliniken sind geeignet für Patienten mit Adipositas? Hier sind einige hervorragende Häuser gelistet.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Übergewicht. War vor zwanzig Jahren noch jeder zehnte Erwachsene adipös (BMI ≥ 30), ist inzwischen ein Viertel der Erwachsenen stark übergewichtig. Dabei sind beide Geschlechter gleichermaßen betroffen. Etwa 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen leiden laut der Adipositas Gesellschaft an dieser Erkrankung.

Hilfen gegen die überschüssigen Pfunde gibt es viele. Von der Abnehmspritze über Adipositas-Apps bis hin zu von der Krankenkasse finanzierten Ernährungsberatungen können Betroffene verschiedene Maßnahmen in Anspruch nehmen. Das Ziel dabei ist immer dasselbe: das Gewicht zu verringern, um die gesundheitlichen Folgen des Übergewichts zu reduzieren.

Die erste Ansprechperson für eine Therapie gegen Adipositas ist dabei immer der Hausarzt. Mit ihm können Betroffene eine Strategie erarbeiten und Ziele festlegen. Manchmal ist es auch sinnvoll, längere Zeit intensiv an einem anderen Lebensstil zu arbeiten. Dann verschreibt der Hausarzt einen meist dreiwöchigen Aufenthalt in einer Rehaklinik.

Als Patientin oder als Patient haben Sie in Deutschland bei der Auswahl der Rehaklinik ein sogenanntes Wunsch- und Wahlrecht. Das heißt, Sie können sich Ihre Rehaklinik selbst aussuchen, egal ob ambulant oder stationär. In der nachfolgenden Liste sind geeignete Rehakliniken für Adipositas dargestellt. Angegeben ist, welche Punkte sie in einem Ranking der Deutschen Rentenversicherung Bund erhalten haben und ob in der jeweiligen Einrichtung ein ambulanter oder ein stationärer Aufenthalt möglich ist.

15 Rehakliniken für Adipositas

RehaklinikAufenthaltPunkte
Frankenland-Klinik Bad Windsheimambulant, stationär90
MEDIAN Reha-Zentrum Bad Berka Ilmtal-Klinikambulant, stationär89
Klinik Teutoburger Wald Bad Rothenfeldeambulant, stationär89
Reha-Klinik Hohenelse am Rheinsberger Seeambulant, stationär89
Reha-Zentrum Bad Kissingen Klinik Saaleambulant, stationär89
MediClin Staufenburg Klinik in Durbachambulant, stationär88
Kurpark-Klinik Überlingenstationär88
HESCURO KLINIK Bad Bockletambulant, stationär87
Rehaklinik „Ob der Tauber“ambulant, stationär87
Klinik Rabenstein in Niddaambulant, stationär86
Fachklinik Bad Heilbrunnstationär86
Eleonoren-Klinik Lindenfelsambulant, stationär84
Spessart-Klinik Bad Orbambulant, stationär83
Reha-Zentrum Mölln – Klinik Föhrenkampstationär82
MEDIAN Klinik Elbe-Saale in Barbyambulant, stationär72

Der Name der Rehaklinik wird per Mouseover angezeigt

So wurde die Rehaklinik-Liste erstellt

Die Deutsche Rentenversicherung Bund misst die Qualität fast aller deutschen Rehabilitationseinrichtungen. Dabei werden die Patienten nach ihrer Rehabilitation befragt, ob es ihnen nach dem Klinikaufenthalt besser geht und wie zufrieden sie mit dem Behandlungsprogramm sind. Außerdem wird geprüft, ob die jeweilige Reha-Einrichtung Therapiestandards für Krankheitsbilder einhält und welches Behandlungsprogramm die Patienten erhalten haben. Dazu werten Mitarbeiter der Rentenversicherung die Entlassungsbriefe der jeweiligen Reha-Einrichtung aus. Zusätzlich lesen externe Ärztinnen und Ärzte anonymisierte Entlassungsberichte der Klinik und geben Rückmeldung, ob die Patientinnen und Patienten aus ihrer Sicht optimal behandelt wurden. Aus diesen verschiedenen Qualitätsparametern wird ein Wert zwischen 0 und 100 errechnet, wobei 100 die bestmögliche Bewertung darstellt.

So werden die verschiedenen Parameter gewichtet:

20 Prozent – Patientenzufriedenheit
20 Prozent – Behandlungserfolg aus Patientensicht
20 Prozent – Erfüllung der Reha-Therapiestandards für die jeweilige Erkrankung
20 Prozent – Therapieangebot
20 Prozent – externe Begutachtung

Alle 15 Rehabilitationskliniken für Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Übergewicht, die von Mitarbeitern der Deutschen Rentenversicherung bewertet wurden, sind in der obigen Liste aufgeführt.

Diese Therapien werden in der Rehaklinik angeboten

In der Rehaklinik lernen Betroffene mit ihrer Krankheit umzugehen und eine Verschlimmerung zu verhindern. Dabei gibt es verschiedene Programme.

In der Ernährungsberatung erhalten Sie – als Patient oder Patientin – Informationen zur krankheitsgerechten Ernährung. In Schulungen für kleine Gruppen lernen Sie, sich gesund zu ernähren, überschüssiges Gewicht zu verlieren und ein Esstagebuch zu führen. Dabei geht es unter anderem um Kalorienbewusstsein, Portionsgrößen und den Umgang mit Essgewohnheiten. Bei Begleiterkrankungen wie Diabetes werden auch Fragen zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Blutzucker besprochen.

In der Bewegungstherapie geht es darum, trotz des erhöhten Körpergewichts Freude an Bewegung zu finden. Wo liegen Ihre körperlichen Leistungsgrenzen? Welche Sportarten sind gelenkschonend und alltagstauglich? Wie lässt sich regelmäßige Bewegung dauerhaft in Ihren Alltag einbauen? All diese Fragen werden hier beantwortet. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Sportarten auszuprobieren wie Schwimmen, Wandern, Gymnastik oder Nordic Walking. Dabei wird besonders darauf geachtet, die Gelenke und die Wirbelsäule zu schonen und die Belastung schrittweise zu steigern.

In der Ergotherapie lernen Sie, Alltagsaktivitäten trotz Ihres Übergewichts möglichst selbstständig zu bewältigen. Wie gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz so, dass er Ihren Körper entlastet? Wie lassen sich Tätigkeiten im Haushalt kräfteschonend organisieren? Welche Hilfsmittel erleichtern Ihnen den Alltag? Darüber hinaus erarbeiten Sie Strategien, um ungünstigen Verhaltensmustern im Alltag entgegenzuwirken – etwa emotionalem Essen in Stresssituationen. Die Ergotherapie wird von einer Physiotherapie ergänzt, in der Mobilität, Gelenkentlastung und Körperwahrnehmung im Vordergrund stehen.

Adipositas ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Erkrankung. Deshalb gibt es in Rehakliniken auch immer ein psychologisches Angebot. In Gruppen- oder in Einzelgesprächen helfen Ihnen Psychotherapeuten bei der Krankheitsbewältigung. Sie zeigen Ihnen Übungen zur Tiefenentspannung und unterstützen Sie bei der Schmerzberatung, Stressbewältigung und klären Sie über Depressionen sowie Ängste auf. Neben der allgemeinen Psychotherapie hinaus gibt es oft auch spezifische Gruppen zu Themen wie Heißhunger, Essanfälle (Binge Eating) und Achtsamkeitstraining beim Essen.

Manche Reha-Patienten haben eine Operation in einem Spezialklinikum hinter sich oder stehen kurz davor. Dann wird in der Reha-Einrichtung eine angepasste Ernährung eingeübt (z.B. nach der Schlauchmagen-OP). Die Patienten werden während ihres Aufenthalts in der Rehaeinrichtung auch medizinisch begleitet. Denn egal, ob Schlauchmagen-OP oder Magenbypass-Legung: Der Stoffwechsel verändert sich nach dem chirurgischen Eingriff. Der Körper nimmt manche Nährstoffe jetzt deutlich schlechter auf als zuvor. Deshalb wird den Patienten Blut abgenommen und im Labor untersucht, um zu überprüfen, welche Nährstoffe fehlen und supplementiert werden müssen.

Fragen zu Ihrer sozialrechtlichen Situation können Sie anwesenden Sozialberaterinnen und Sozialberatern stellen. Sie geben Ihnen Auskunft zu Krankengeld, Pflegegeld, Rente, Schwerbehindertenrechten oder einer beruflichen Wiedereingliederung. Sie informieren auch über weiterführende Angebote im Anschluss an den Reha-Aufenthalt. Gerade bei Adipositas ist eine gut geplante Nachsorge wichtig, um nicht in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Deshalb wird in der Rehaklinik auch eine Weiterbehandlung in Adipositas-Zentren angestoßen. Darüber hinaus gibt es Selbsthilfegruppen in über 300 Orten, in denen sich Betroffene zusammentun und gegenseitig bestärken.