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Wenn Kinder und Jugendliche an einer Depression leiden, ist die Psychotherapie die Therapie der Wahl. Das war schon vor der Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen so und hat sich durch die Aktualisierung nicht geändert. Dennoch hat das Leitlinien-Team um Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne vom Klinikum der Universität München auch neue Empfehlungen formuliert.

Ärztinnen und Ärzte orientieren sich bei ihrer Therapie an Leitlinien. Es gibt verschiedene Stärken von Leitlinien. Die S3-Leitlinie gilt als höchste Stufe und ist damit auch der wichtigste Orientierungsrahmen für Mediziner. Eine solche S3-Leitlinie ist kürzlich für die Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen erschienen, für die Prof. Schulte-Körne mit seinem Team aktuelle wissenschaftliche Studien zum Thema Depressionen bei Kindern und Jugendlichen ausgewertet hat.

Neu ist, dass in der Leitlinie getrennte Empfehlungen für drei Altersgruppen gegeben werden: für jüngere Kinder (3-6 Jahre), ältere Kinder (7-12 Jahre) und Jugendliche (13-18 Jahre). Als gleichwertig zur Psychotherapie empfehlen Schulte-Körne und Team bei den drei- bis sechsjährigen Kindern nun die Parent-Child-Interaction-Therapie Emotion Development (PCIT-ED). In dieser Therapie schult ein Therapeut die Eltern darin, auf die Gefühle ihres Kindes einfühlsam und hilfreich zu reagieren. Bei Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren wird die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative zur Psychotherapie genannt. Hier geht es darum, dass die gesamte Familie daran arbeitet, ihre Kommunikationsmuster zu verändern und die Beziehung zueinander dadurch verbessert.

Für ältere Kinder und Jugendliche ist die Psychotherapie auch gemäß der neuen Leitlinie die wichtigste Therapieform. Es gibt verschiedene Formen der Psychotherapie. Bei depressiven Kindern und Jugendlichen ist laut Schulte-Körne die kognitive Verhaltenstherapie am effektivsten. Hier lernen die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit Psychiatern, Psychologen oder Psychotherapeuten, bestimmte Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.

Auch beim Thema „Medikamente“ hat sich etwas getan. Für mehrere Wirkstoffe liegen inzwischen Studienergebnisse vor, die Schulte-Körne und Team überzeugt haben. Neu ist, dass Ärztinnen und Ärzte bei mittelgradigen und schweren depressiven Störungen neben Fluoxetin jetzt auch Sertralin und Escitalopram verschreiben können.

Außerdem zeigen Studien, dass sich Sport, Bewegung und künstlerische Therapien vorteilhaft auf die Genesung von Kindern und Jugendlichen auswirken. Deshalb hebt Schulte-Körne in der Leitlinie solche therapiebegleitenden Maßnahmen nun als förderlich hervor.

Wichtig und in der Leitlinie noch einmal hervorgehoben: Kinder und Jugendliche sollen die Mechanismen ihrer Erkrankung ganz genau verstehen. Ärztinnen und Ärzte sind deshalb angehalten, Diagnose und Therapie altersgerecht und verständlich zu erklären. Der Gedanke dahinter: Wenn Kinder und ihre Eltern die Therapieentscheidung des Arztes verstehen, können sie die Therapie besser mittragen. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums in München geht hier vorbildlich voran. Zusammen mit der Beisheim Stiftung haben die Münchner Klinikärzte ein Webportal entwickelt, auf dem sich Kinder und Jugendliche über das Thema Depression informieren können.

Quelle: S3-Leitlinie Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen (gültig bis 01.12.2030)

LH