Ist der Besuch einer Rehaklinik nach der Implantation einer Schulterprothese ratsam? Auf diese Frage antworten Ärztinnen und Ärzte auf dem 31. Jahreskongress für Schulter- und Ellenbogenchirurgie, der am 7. und 8. Mai 2026 in Karlsruhe stattfand.

„Eine stationäre Reha ist überbewertet“, sagt Prof. Dr. Tomas Smith, Chefarzt der Abteilung für Schulter- Knie- und Sportorthpädie am Diakovere Annastift in Hannover. Studien hätten gezeigt, dass es wichtiger ist, dass Patientinnen und Patienten die gezeigten Armbewegungsübungen täglich durchführen. Ob sie dies in der Rehaklinik oder zu Hause machen, sei dabei zweitrangig.

Für „unbedingt sinnvoll“ hält Dr. Anke Tobusch, Orthopädin und Unfallchirurgin aus Berlin, die Reha nach der Operation. Allerdings sollte sie erst sechs Wochen nach der Operation stattfinden, „weil dann die Einheilungsphase der Sehnen, die möglicherweise in der OP wieder angenäht werden mussten, abgeschlossen ist“.

„Für viele Patienten reicht eine ambulante Reha, die zwei bis drei Wochen dauert“, sagt Dr. Jens Liße, Orthopäde und Unfallchirurg aus Nürnberg. Manche Patienten wünschten gar keine Reha. Auch dies sei in Ordnung. „Man kann auch rein mit Physiotherapie zufriedenstellende Ergebnisse erreichen“, sagt er.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Reha-Arten

Entscheiden Sie sich für die ambulante Reha, besuchen Sie die Reha-Einrichtung nur zu bestimmten Terminen und wohnen weiterhin zu Hause. Dort gestalten Sie Ihren Alltag. Das kann angenehm sein, denn in den eigenen vier Wänden fühlt man sich oft am wohlsten und der soziale Kontakt zu Familie und Freunden bleibt erhalten. Außerdem sind Sie bei der ambulanten Rehabilitation nicht an die 5-Tage-Woche gebunden (in der Regel finden jedoch an mindestens vier von fünf Tagen Übungen statt). Allerdings müssen Sie sich bei der ambulanten Rehabilitation um alles kümmern, was in Ihrem Haushalt anfällt. Zudem haben Sie tägliche Fahrzeiten.

Entscheiden Sie sich für eine teilstationäre Rehabilitation, bei der Sie tagsüber in einer Einrichtung sind und nur zum Schlafen nach Hause kommen, ist Ihr Trainingsprogramm tagsüber gesichert. Sie müssen sich weder um die Essenszubereitung noch um Einkäufe kümmern und können den Abend und die Nacht mit Ihren Angehörigen verbringen. Allerdings haben Sie auch hier Anfahrtswege und es steht Ihnen keine ärztliche Betreuung in der Nacht zur Verfügung.

Auch eine stationäre Aufnahme in die Rehabilitationsklinik ist möglich. In der Regel dauert diese drei Wochen. Dort werden Sie ganztägig betreut und Ihr Krankheitsverlauf kann kontinuierlich überwacht werden. Ein Tapetenwechsel kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Sie unter Begleiterkrankungen wie Asthma oder Allergien leiden und sich das Klima an der Küste oder in den Bergen positiv auf Ihre Genesung auswirkt. Allerdings empfinden manche stationäre Rehabilitanden es auch als negativ, nicht in ihrer gewohnten Umgebung zu sein und nur am Wochenende von Angehörigen oder Freunden besucht zu werden.

Wie oben von Dr. Liße geschildert, besteht eine weitere Möglichkeit darin, ganz auf eine formelle Reha zu verzichten und stattdessen einzelne physiotherapeutische Behandlungen auf Rezept wahrzunehmen, die der Hausarzt verordnet.


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