Mit welchen Schmerzen ist nach der Implantation einer Schulterprothese zu rechnen? Auf diese Frage antworten Ärztinnen und Ärzte auf dem 31. Jahreskongress für Schulter- und Ellenbogenchirurgie, der am 7. und 8. Mai 2026 in Karlsruhe stattfand.
Eine der größten Sorgen vor einer Schulteroperation ist die Angst vor den anschließenden Schmerzen. Durch moderne medizinische Verfahren ist es heute aber möglich, diese Phase sehr gut zu überbrücken und die Schmerzen zu kontrollieren.
Erfahrungsgemäß erreicht der Schmerz direkt nach der Operation bzw. am ersten postoperativen Tag seinen Höhepunkt. In dieser Zeit ist eine intensive Schmerztherapie im Krankenhaus Standard. Wenn alles normal verläuft, nimmt die Schmerzintensität danach sukzessive ab. Ein späterer, plötzlicher Anstieg der Schmerzen ist eher ungewöhnlich und „ist ein Warnsignal, dass etwas nicht in Ordnung ist“, sagt Dr. Jens Liße, Orthopäde und Unfallchirurg aus Nürnberg.
Der Schmerzkatheter: Begleiter für die ersten Tage
Um die stärkste Schmerzphase unmittelbar nach dem Eingriff abzufangen, setzen Ärztinnen und Ärzte routinemäßig auf einen sogenannten Schmerzkatheter (oft als Interskalenuskatheter oder Plexuskatheter bezeichnet). Er wird bereits während der Narkose durch einen kleinen Stich am Hals gelegt, um die dort verlaufenden Nervenbahnen des Schultergeflechts zu erreichen. Dadurch wird der Schmerz direkt am Entstehungsort betäubt. Der Katheter verbleibt in der Regel für ein bis drei Tage, um die kritische Anfangsphase zu überbrücken. Die Patienten hätten dadurch deutlich weniger Schmerzen, sagt Dr. Anke Tobusch, Orthopädin und Unfallchirurgin aus Berlin. „Wir haben diesbezüglich sehr gutes Feedback.“
Je nach Patientenwunsch oder individueller Situation kann statt eines dauerhaften Katheters auch ein einmaliger Schmerzblock gesetzt werden, berichtet Tobusch. Unter einem Schmerzblock (auch Nervenblockade genannt) versteht man die gezielte, vorübergehende Betäubung bestimmter Nerven oder Nervengeflechte. Dabei wird ein Medikament in der Nähe des schmerzleitenden Nervs gespritzt, um die Weiterleitung des Schmerzsignals an das Gehirn zu blockieren.
Sobald der Schmerzkatheter gezogen wird, erfolgt die Umstellung der Therapie. Ab diesem Zeitpunkt übernehmen orale Analgetika (Schmerzmittel in Tablettenform) die Kontrolle. Beim Wechsel vom Katheter auf Tabletten kann der Schmerz kurzzeitig noch einmal leicht ansteigen, sollte sich dann aber im weiteren Verlauf stetig bessern. „Der Patient wird aus dem Krankenhaus in einem Zustand entlassen, in dem er mit oraler Schmerzmedikation seine Situation handeln kann“, sagt Prof. Dr. Dennis Liem vom Sporthopaedicum Berlin.
(Anzeige)
IM BUCHHANDEL: In welchen Kliniken arbeiten erfahrene Chirurgen für die Implantation einer Schulterprothese? Wie wirksam ist die Operation? Was genau passiert am OP-Tag? Prof. Jörn Steinbeck und Dr. Malte Holschen, Orthopäden an der Raphaelsklinik Münster, haben zusammen mit dem früheren Handelsblatt-Journalisten Lukas Hoffmann einen Ratgeber für Patienten mit Schulterprothese geschrieben. Klicken oder tippen Sie auf das Bild, um bei Amazon mehr über das Buch zu erfahren!
(Ende der Anzeige

































