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Was vor der Erkrankung gilt, ist auch während der Therapie richtig: Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung sind wohltuend. Nachfolgend finden Sie zusammengefasst die wichtigen Antworten aus der Leitlinie für Brustkrebs zu einer vorteilhaften Lebensweise während der Brustkrebs-Therapie.

Worauf ist bei der Ernährung zu achten?

Es gibt kein Superfood, das Ihren Krebs heilen kann. Lassen Sie sich von solchen Mythen nicht in die Irre führen. Dennoch kann, insbesondere in der Zeit der Nachsorge, Ihr individuelles Krebsrisiko mit einer gesunden Ernährung gesenkt werden.

Gesund sind frisches Obst, Gemüse und Salate. Auf Weizen- und Zuckerprodukte sollten Sie möglichst verzichten. Vermeiden Sie bei Obst gezuckerte Konservenprodukte und essen Sie stattdessen frische Früchte wie Aprikosen, Äpfel, Brombeeren, Clementinen, Erdbeeren, Grapefruits und Orangen, die Ihren Vitamin-C-Bedarf decken.

Während Sie bei den Gemüsesorten auf Mais und Süßkartoffel verzichten sollten, können Sie Pilze und Aubergine zubereiten. Auch Cashewnüsse, Mandeln, Nüsse und Sonnenblumenkernen dürfen Sie weiterhin verzehren.

Was den Fleischkonsum betrifft: Ziehen Sie möglichst Fisch und weißes Fleisch wie Hühnchen und Pute den roten Fleischsorten vom Schwein, Rind oder Lamm vor. Eier und Milchprodukte können Sie weiterhin in gewohnter Weise essen.

Achten Sie auf eine ausreichende ungesüßte Flüssigkeitszufuhr: 1,5 bis 2,5 Liter in Form von Wasser oder Tee am Tag sollten Sie mindestens zu sich nehmen.
Experten raten in Bezug auf den Alkoholkonsum, 10 g pro Tag nicht zu überschreiten. Diese Menge entspricht einem kleinen Glas Bier, einem Achtel Wein oder einem Glas Sekt. Mittlerweile ist wissenschaftlich belegt, dass Krebspatientinnen mit hormonempfindlichem Karzinom bei einem täglichen Konsum von mehr als 12 g Alkohol wesentlich häufiger Krebsrückfälle erleiden.

Raucherinnen sollten versuchen, den Tabakkonsum einzuschränken. Patientinnen, die regelmäßig rauchen, haben einen deutlich schwereren Krankheitsverlauf mit einem höheren Sterberisiko. Zudem steigern Sie durch den Nikotinkonsum auch das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.

Wie viel Bewegung ist angemessen?

Wir haben gelernt, dass man sich bei Schnupfen, Fieber und Abgeschlagenheit schonen soll und besser das Rennrad im Keller stehen lässt. Obwohl die Krebserkrankung viel schlimmer als eine Grippe ist, gilt hier gegensätzliches. Sport ist gesund. Das wurde in vielen Studien bewiesen. Deshalb raten Ärzte inzwischen dazu, schnell wieder mit dem Sport anzufangen. Denn die Bewegung tut Ihrem Herz-Kreislauf, Ihren Muskeln und auch Ihren Knochen gut.

Während der Chemotherapie oder der Hormontherapie wird in der Leitlinie Krafttraining empfohlen. Generell gilt: 150 Minuten moderater Sport an zwei Tagen pro Woche oder 75 Minuten Sport auf hohem Niveau wird empfohlen. Mindestens! Nach oben sind keine Grenzen offen, wenn Sie sich entsprechend fit fühlen.

Fragen Sie Ihren betreuenden Arzt am besten, was er Ihnen rät oder ob er Sie an eine entsprechende Stelle verweisen kann. In den großen Unikliniken hat sich inzwischen ein eigener Fachbereich zu diesem Thema entwickelt, die Onkologische Bewegungsmedizin. In bewegungstherapeutischen Trainingszentren erhalten Sie von Experten Ihren individuellen Trainingsplan, zugeschnitten auf Ihre Vorlieben. In manchen Unikliniken gibt es Fitnesszentren, die nur für Krebspatienten eingerichtet wurden. Auch der Kontakt zu wohnortnahen Sportgruppen wird vermittelt, wenn Sie das wünschen.

Die Diagnose Mammakarzinom kann die Entstehung von weiteren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem chronischen Erschöpfungssyndrom (Fatigue) begünstigen. Durch regelmäßige körperliche Aktivitäten können Sie diesen zusätzlichen Krankheiten entgegenwirken. Eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining verbessert Ihr Befinden und steigert Ihre Belastungsgrenze.

Was tun bei Schlafstörungen?

Sie leiden an Schlafstörungen, weil Sie sich Sorgen machen, wie es weitergeht? Das ist vollkommen normal. Fast zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter krankheitsbedingten Schlafstörungen. Tagsüber fühlen sie sich dann erschöpft, können sich nicht konzentrieren und sind müde.

Was kann man tun? Viel steht hierzu nicht in der Leitlinie für Brustkrebs, empfohlen wird eine psychoonkologische Beratung, wenn die Schlafstörungen auf innere Unruhen zurückzuführen sind. In den meisten Fällen liegt die Ursache der Schlaflosigkeit in den Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der Bestrahlung, die zu nächtlicher Übelkeit und Unwohlsein führen. Sprechen Sie auch über dieses Thema mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und holen Sie sich Tipps ein, was Sie für einen besseren Schlaf tun können.

Grundsätzlich gilt, was bereits vor der Therapie stimmte: Bewegung ist gut! Eine gesunde Ernährung ist gut! Soziale Kontakte sind gut! Sprich, alles, was dazu führt, dass Sie sich wohlfühlen. Dadurch wird abends das Gedankenkarussell zum Stehen gebracht, sodass Sie einschlafen können. Und wenn Sie hellwach im Bett liegen und es einfach nicht klappt? Prof. Dr. Peter Young, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät dazu, den Schlaf nicht zu erzwingen: „Lieber eine halbe Stunde etwas anderes machen, etwas lesen oder spazieren gehen, als im Bett liegen bleiben.“

Was tun bei chronischer Erschöpfung (Fatigue)?

Bei insgesamt 80 Prozent der Patienten mit einer Krebserkrankung tritt Fatigue auf. Die Fatigue ist dann akut, da sie in dem Fall entweder vom Tumor oder von dessen Therapie verursacht wird.
Auch einige Brustkrebs-Patienten leiden an einer chronischen Erschöpfung, also an dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Die Erschöpfung kann dann durch Schlaf nicht kompensiert werden. Sie wird begleitet von Konzentrationsschwächen, Vergesslichkeit und einer depressiven Stimmung. Die US-amerikanische Fatigue Coalition erstellte eine Liste mit elf Symptomen, von denen mindesten sechs vorliegen müssen, um Fatigue zu diagnostizieren.

11 Symptome von Fatigue

Fatigue-Patienten haben keine Kraft, Freunde und Verwandte zu treffen. Dies führt zum Rückzug oder einer Selbstisolation und belastet so Beziehungen und soziale Kontakte. Es ist in diesem Fall äußerst wichtig, dem Arzt von Ihren Symptomen zu berichten und eine Behandlung gegen Fatigue in Anspruch zu nehmen. Falls Ihr Arzt nur geringe Erfahrungen mit dieser wenig erforschten Krankheit hat, können Sie sich an einen Spezialisten wenden, der bereits viele Fatigue-Patienten behandelt hat.

Schmerzbehandlung

Im fortgeschrittenen Stadium kann Brustkrebs zu starken Schmerzen führen. Es gibt Medikamente, mit denen Schmerzen gelindert werden. Die ärztlichen Leitlinien definieren unterschiedlichen Schmerzmedikationen. Dabei ist die Schmerzbehandlung abhängig von der Stärke der Schmerzen.

Um einzuschätzen, welches Medikament passend ist, bitten Ärzte Sie darum, Ihre Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn einzuschätzen. Während auf Schmerzstufe 1 leichtere Medikamente ausreichen (Nicht-Opioide), werden ab Schmerzstufe 3 starke Opioide verschrieben. Zu diesen zählt auch Morphium, das gegen Schmerzen hochwirksam ist.

Nachsorge

Die Überlebenschancen und Therapiemöglichkeiten haben sich bei Brustkrebs in den vergangenen 40 Jahren deutlich verbessert. Die meisten Patientinnen mit Brustkrebs überleben ihre Erkrankung – auch langfristig. Fünf Jahre nach der Diagnose leben etwa 8 von 10 betroffenen Frauen. Zehn Jahre später sind es ungefähr 7 von 10.

Bei fast 80 Prozent der Betroffenen kommt der Krebs nicht wieder. Auch wenn diese Quote sehr hoch ist, bedeutet das immerhin noch für zwei von zehn Frauen, dass sie im Laufe Ihrer Lebenszeit mit einem Rückfall konfrontiert werden. Um das Rezidiv, also den wiederkehrenden Krebs, frühzeitig zu therapieren, ist eine regelmäßige Nachsorge sinnvoll.

Die ärztlichen Leitlinien empfehlen eine am Anfang zunächst engmaschige Betreuung, die mit den zunehmenden Monaten in größeren Zeitabständen wiederholt werden soll: In den ersten drei Jahren nach Abschluss der Brustkrebsbehandlung erfolgt die Nachsorge alle drei Monate. Im vierten Jahr finden die Kontrollen alle sechs Monate statt, danach jährlich.

Ihr behandelnder Gynäkologe führt in der Regel die Untersuchungen durch. Er fragt Sie auch nach ihrem körperlichen und seelischen Befinden. Weiterhin erfolgt die Kontrolle mit einem Ultraschall der Brust oder einer Mammografie. Weil Brustkrebspatientinnen auch ein erhöhtes Krebsrisiko in der anderen Brust haben, sollte die bisher nicht betroffenen Brust einmal im Jahr mit Mammographie und Ultraschall untersucht werden. Die Untersuchungen und ihre Zeitabstände werden in einem Nachsorgepass notiert.

Weiterführende Untersuchungen wie Röntgen der Lunge, Knochenszintigraphie, CT und MRT sowie Blutuntersuchungen gehören nicht zu den Standarduntersuchungen der Nachsorge. Nur wenn die Ärzte einen gerechtfertigten Verdacht auf Metastasen haben, werden diese angeordnet.

Den Alltag bewältigen

Eine Krebsdiagnose verändert den Alltag, Ihre Werte und Prioritäten im Leben sind nach der Therapie andere. Dies wirkt sich auch auf Ihr nächstes Umfeld aus. Wenn Sie sich Sorgen machen, an Depressionen oder Fatigue leiden, können Sie sich an Psychoonkolgen wenden. In den Krebsbehandlungszentren und auch in den Rehabilitationseinrichtungen ist eine psychoonkologische Betreuung die Norm. Neben der psychoonkologischen Betreuung können Sie im Krankenhaus nach einer Seelsorge fragen. In vielen medizinischen Einrichtungen sind Kapellen oder ein Raum der Stille als Rückzugsort zu finden. Fragen Sie danach, wenn Ihnen das wohltut!

Wenn Sie aufgrund Ihrer Behandlung für eine längere Zeit arbeitsunfähig sind, kann unter Umständen Ihr Einkommen ausfallen. Plötzlich stellen sich existenzielle Frage: Wer zahlt die Miete für die Wohnung oder die Raten für das Haus? Wo kommt das Geld für neue Anschaffungen her? Die erste Anlaufstelle bei allen sozialrechtlichen Fragen ist der Sozialdienst des Krankenhauses. Bitten Sie im Krankenhaus darum, dass ein Sozialdienstmitarbeiter zu Ihnen kommt. Falls die Fragen aufkommen, wenn Sie bereits aus dem Klinikum entlassen sind, können Sie einen Beratungstermin mit einem Spezialisten der Krebsgesellschaft vereinbaren.

Diese Fragen können zum Beispiel besprochen werden:

  • Welche staatlichen Sozialleistungen kann ich in Anspruch nehmen?
  • Wie kläre ich meinen krankheitsbedingten Ausfall mit meinem Arbeitgeber?
  • Kommt eine Frühberentung für mich infrage?
  • Wie sieht eine stufenweise Eingliederung in den Arbeitsalltag aus?
  • Wie wird mein Grad der Behinderung festgestellt?
  • Welche Möglichkeiten der häuslichen Pflege stehen mir zur Verfügung?

Sorgen Sie sich nicht allzu sehr und konzentrieren Sie sich auf Ihre Genesung. Bei Fragen stehen Ihnen Ihre Ärzte, die Krebsberatungsstellen und der Sozialdienst des Krankenhauses zur Verfügung. Das Wichtigste ist jetzt die Therapie: Nehmen Sie sich die Auszeit, die Sie benötigen, um wieder gesund zu werden!

Quellen: 

AMWF online. Patientinnenleitlinie. Brustkrebs im frühen Stadium. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLp2_S3_Mammakarzinom_2019-04.pdf. Zuletzt abgerufen am 03.11.2021.

Alkoholassoziierte Organschäden: Alkohol als Brustkrebsrisiko beachtlich. Dtsch Arztebl 2002; 99(11): A-727 / B-559 / C-511. ​​https://www.aerzteblatt.de/archiv/30798. Zuletzt abgerufen am 03.11.2021. 

Ärztezeitung. Risikofaktor Rauchen.Brustkrebsrisiko steigt enorm. 2014. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Brustkrebsrisiko-steigt-enorm-233678.html. Zuletzt abgerufen am 03.11.2021. 

NDR. Ernährung in der Brustkrebs-Nachsorge. 2019. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-in-der-Brustkrebs-Nachsorge,brustkrebsnachsorge102.html. Zuletzt abgerufen am 03.11.2021.

Schalhorn, B., Holzhauer, P. Brust- und Prostatakrebs: Vermehrte Schlafstörungen infolge der Tumortherapie?. Im Focus Onkologie 18, 40 (2015). https://link.springer.com/article/10.1007/s15015-015-2004-x#citeas. Zuletzt abgerufen am 03.11.2021.