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Wie läuft die Operation bei Brustkrebs ab? Welche Operationstechniken gibt es und wie kann man sich auf die OP vorbereiten? Diese Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet.

Der Erfolg einer Operation hängt von der Qualifikation der Ärzte und den technischen Voraussetzungen im Klinikum ab. Deshalb ist es wichtig, eine herausragende Klinik für die Behandlung von Brustkrebs zu besuchen. Ebenso wichtig ist aber, dass Sie sich als Patientin am Heilungsprozess beteiligen. Ihr Engagement beginnt bei der Vorbereitung der OP und endet bei einer klugen Nachsorge.

Die Wochen vor der OP – das können Sie tun

Wenn die Diagnose Mammakarzinom feststeht, haben Sie häufig einige Wochen Zeit bis zum Operationstermin. Dies braucht Sie nicht zu beunruhigen, denn der Brustkrebs gilt nicht als OP-Notfall. Demnach kann sich Ihr Gesundheitszustand bei einer Operation zwei bis drei Wochen nach der Diagnose nicht verschlechtern. Wenn Ihnen Ihr Gynäkologe eine OP empfohlen hat, können Sie sich zum Beispiel die Zweitmeinung eines anderen Arztes einholen.

Für die operierenden Ärzte stehen verschiedene Methoden zur Tumorentfernung zur Verfügung, deren Auswahl von der Ausbreitung des Krebses abhängt. Es gibt sehr viele Personen, die an Brustkrebs erkranken, jährlich sind es in Deutschland 69.700 Frauen und 750 Männer. Daher sind die Therapieverfahren und Operationstechniken gut erforscht.

Fitness vor der Operation

Neuere Studien belegen, dass Sport auch während der Therapie den Krankheitsverlauf und die Prognose deutlich verbessert. So verringert sich mit zwei bis fünf Stunden Sport die Woche beispielsweise das Risiko eines Rezidives, also einer Wiederkehr des Krebses. In eine Studie wurde nachgewiesen, dass, auch wenn Frauen mit Brustkrebs erst nach der Diagnose mit Joggen begonnen haben, ihr Sterberisiko deutlich vermindert wurde.
Deshalb unterschätzen Sie nicht die positive Wirkung von Sport, selbst wenn Sie bislang keinen Sport gemacht haben und nun – wenige Wochen vor der Operation – damit beginnen. Eine Einschränkung bei der Auswahl der Sportart gibt es bei Krebspatienten nicht. Sie sollten aber von Sportarten mit einem gewissen Verletzungsrisiko wie Boxen oder Karate absehen.

Sport macht gemeinsam mehr Spaß. Suchen Sie sich eine Partnerin oder fragen Sie in einer Selbsthilfegruppe für Frauen und Männer in der Nähe nach, ob ein Sportangebot besteht. Insbesondere Joggen, Nordic Walking oder leichtes Krafttraining haben sich in Studien bewährt.
Beachten Sie aber, dass Sie sich auf keinen Fall überlasten oder verletzen sollten. Sprechen Sie Ihre sportliche Tätigkeit mit den behandelnden Ärzten ab. Er kann Ihre Kondition am besten einschätzen und Sie über die empfohlene Dauer und Häufigkeit des Sportes in Ihrem Alltag informieren.

Wann sollte kein Sport gemacht werden?

Je nach Stadium der Erkrankung gibt es auch Situationen, in denen der Körper lieber geschont werden sollte. Sehen Sie von Sport ab, wenn Sie an akuten Blutungen, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen, Schwindel, Fieber oder Übelkeit leiden. Auch wenn der Krebs sich bereits in die Knochen ausgebreitet hat und ein Bruchrisiko besteht, sollten Sie sich schonen.

Der Tag vor der Operation

Blutabnahme, Ultraschall & Co

Am Aufnahmetag im Klinikum werden Sie körperlich untersucht. Zudem wird Ihnen Blut abgenommen zur Bestimmung des Blutbildes, der Blutgruppe und der Blutgerinnung. In der Regel wird auch ein Elektrokardiogramm (EKG) gemacht, um sicherzugehen, dass mit Ihrem Herzen alles in Ordnung ist. Aus den Untersuchungen für die Diagnosestellung liegen bereits die Ultraschall-, CT- und MRT-Bilder und andere Untersuchungsbilder vor.
In der Ambulanz wird Ihre Anamnese erhoben. Das bedeutet, die Ärzte fragen nach Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten und früheren Operationen. Je genauer die Ärzte über Ihren Gesundheitszustand informiert sind, desto wahrscheinlicher ist eine gelingende Operation. Deshalb bietet es sich an, dass Sie alle Informationen bereits zuvor zusammentragen. Hier finden Sie entsprechende Formulare. So sind Sie auf die Fragen der Ärzte und des Klinikpersonals vorbereitet.

Aufklärungsgespräch

Auf die Anamnese folgen zwei Aufklärungsgespräche: Eins mit einem Anästhesisten und eines mit dem Senologen. Die Senologie ist der Bereich der Medizin, der sich mit Lehre der (weiblichen) Brust befasst. Die Ärzte absolvieren für diese Fachbezeichnung eine Facharztausbildung in der Gynäkologie, deren Schwerpunkt in der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen der weiblichen Brust liegt.

Der Anästhesist fragt nach Ihrer Größe, Ihrem Gewicht, nach Medikamenten, die Sie regelmäßigen einnehmen, nach bestehenden Erkrankungen und nach dem Konsum von Tabak- oder Rauschmitteln. Die wahrheitsgemäße Beantwortung dieser Fragen ist wichtig, da anhand Ihrer Antworten die zu verwendende Menge des Narkosemittels berechnet wird.

Im Aufklärungsgespräch erklärt der Chirurg Ihnen das Operationsverfahren und beantwortet Ihre Fragen zum Eingriff. Sie erhalten Informationen zur Dauer der Operation, zum Schwierigkeitsgrad und zu möglichen Komplikationen. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, Sie auf alle Risiken der Operation hinzuweisen, auch wenn diese gering sind.

Aufnahme auf die Station

Nach den Untersuchungen und Gesprächen können Sie sich in Ihrem Zimmer einrichten. Die diensthabenden Pflegekräfte stellen sich Ihnen vor und erkundigen sich nach Ihren Ess- und Trinkgewohnheiten. Als Vorbereitung auf die Operation wird gegebenenfalls die Rasur des OP-Gebietes vorgenommen. Sie erhalten auch ein Abführmittel, damit der Darm am Operationstag entleert ist. Am Abend erhalten Sie bei Bedarf ein Schlafmittel, damit Sie – trotz Nervosität – einen erholsamen Schlaf finden. Die Alternative ist ein leichtes Beruhigungsmittel am Morgen der Operation.

Operationsverfahren

Es gibt verschiedene Operationsverfahren bei Brustkrebs. Welches Verfahren das passende bei Ihnen ist, entscheiden die Ärzte anhand der im Vorfeld gemachten Untersuchungen im Rahmen der Ausbreitungsdiagnostik. Im Grunde unterscheidet man zwei Verfahren: Die komplette Entfernung der erkrankten Brust (die Mastektomie) und die brusterhaltende Operation.

Der Tag der Operation

Am Operationstag müssen Sie alles, was herausnehmbar ist, in Ihrem Zimmer zurücklassen (Schmuck, Piercings, Brille etc.). In einem Operationshemd mit einer Netzunterhose von der Klinik fährt Sie das Personal im Bett in den OP-Saal. Im OP-Bereich wird Ihnen die Narkose verabreicht, Sie werden gebeten von der Zahl zehn beginnend rückwärts zu zählen, bis Sie langsam das Bewusstsein verlieren. Die Vollnarkose ist wichtig, damit Sie von den OP-Geräten und Geräuschen oder Gerüchen nicht gestört werden. Die Chirurgen können auch konzentrierter arbeiten und sich miteinander unterhalten, wenn Sie betäubt sind.

Brusterhaltende Operation bei Brustkrebs

Die Chirurgen versuchen nach Möglichkeit schonend zu operieren. Bei fast 75% der Frauen ist die brusterhaltende Operation mit anschließender Bestrahlung möglich. Die brusterhaltende Operation ermöglicht die vollständige Entfernung des Tumors bei gleichzeitiger Bewahrung der Brust. Allerdings kann es vorkommen, dass zwar brusterhaltend operiert wird, aber aufgrund der Tumorgröße und -ausbreitung viel Drüsengewebe entfernt werden muss. In diesem Fall kann der fehlende Umfang durch eine Brustrekonstruktion ausgeglichen werden (siehe unten). Ärzte können auch Teilprothesen zum optischen Ausgleich verschreiben.

Wie wird operiert?

Bei der Operation entfernen Chirurgen den bösartigen Tumor. Sie entnehmen außerdem angrenzendes gesundes Gewebe, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen übrig bleiben, die sich wieder vermehren können. Dennoch gibt es keine vollständige Garantie dafür, dass die Operateure alle gestreuten Tumorherde, auch Satellitenherde genannt, erwischen. Daher empfehlen Sie nach der OP oft eine Strahlentherapie, um das Risiko eines Rezidiv, einer Rückkehr des Krebses, zu verringern.

Neoadjuvante Chemotherapie vor der Brustkrebsoperation

Bei Tumoren, die größer als zwei Zentimeter sind, kann die Durchführung einer Chemotherapie vor der Operation hilfreich sein. Ziel ist es, den Durchmesser des Tumors zu verkleinern, sodass eine brusterhaltende Operation möglich ist.

Axilläre Lymphonodektomie bei Befall der Achsellymphknoten

Sollten die Ärzte im Voraus einen Befall der umliegenden Lymphknoten mit Krebs im Verdacht haben, erhalten Sie kurz vor der Operation eine radioaktive, bläuliche Substanz, die in die Tumorregion gespritzt wird. Sie verteilt sich bis in den Achselbereich, sodass die Lymphknoten markiert werden, die dem Tumor am nächsten liegen. Diese werden auch als Wächterlymphknoten bezeichnet. Die Markierung der Wächterlymphknoten ist wichtig, um zu bestimmen, ob sich die Krebserkrankung ausgebreitet hat. Während der Operation entnehmen die Operateure die markierten Lymphknoten.

Bei der anschließenden mikroskopischen Untersuchung können sie erkennen, ob der Krebs in die Lymphknoten gestreut hat oder nicht. Diese Erkenntnis ist wichtig, um die weitere Behandlung wie Strahlen- oder Chemotherapie für die Genesung zu planen. Sind die Lymphknoten nicht vom Krebs befallen, entfernen die Chirurgen zur Sicherheit die Wächterlymphknoten. Befinden sich in den Wächterlymphknoten bereits Krebszellen, müssen weitere umliegende Lymphknoten in den Achselhöhlen entfernt werden. Dafür führen die Ärzte einen feinen Schnitt, der bis in die Achseln reicht. Die Chirurgen überprüfen auch bei der Mastektomie die Lymphknoten.

Mastektomie

Radikale Mastektomie

Ist der Tumor in der Brust sehr ausgedehnt, raten Ärzte zu einer Entfernung der Brust, der radikalen Mastektomie. Sie entspricht im eigentlichen Sinne einer Amputation. Es handelt sich hierbei um die ausgedehnteste Operationsform des Mammakarzinoms. Dennoch wird auch hier so schonend wie nur möglich operiert, um die Brustmuskulatur zu erhalten. Der Schnitt für den Zugang geht einige Zentimeter von der Mitte der Brust bis unter die Achselfalte. Die Operateure entfernen bei dieser Vorgehensweise die Brustdrüse zusammen mit der Brustwarze und der angrenzenden Haut. Auch die Faszie, eine straffe Bindegewebsschicht, die die Brustmuskulatur überzieht, wird entnommen. Anteile der Brustmuskulatur entfernen die Ärzte nur, wenn diese auch vom Tumor befallen wurden. Die Schnitte werden mit feinen Nähten vernäht, die strichförmige Narbe ist nur einige Zentimeter lang.

Skin-sparing Mastektomie

Voraussetzung für die sogenannten Skin-sparing-Mastektomie ist, dass die Haut der betroffenen Region noch krebsfrei ist. Hier führen Chirurgen einen rautenförmigen Schnitt um die Brustwarze herum, um das gesamte Drüsengewebe bis zu den Brustmuskeln entfernen zu können. Hierbei achten die Ärzte darauf, dass möglichst viel Haut erhalten bleibt, so wird die anschließende Brustrekonstruktion erleichtert.

Brustrekonstruktion

Wenn nach der Brustentnahme keine Strahlentherapie erfolgen muss, kann der Operateur die Brustimplantate noch in derselben Operation einsetzen. Sie können den Operateuren vor der OP Ihre ästhetischen Wünsche mitteilen. Da die Rekonstruktion im medizinischen Sinne eine Wiederherstellung Ihrer Körperproportionen ist, handelt es sich hierbei nicht um eine ästhetische Brustvergrößerung. Daher werden die Kosten für die neue Brust von den Krankenkassen übernommen.

Rekonstruktion mit Implantat 

Der Brustaufbau mit einem Implantat ist die gängigste und einfachste Methode, die Brust zu rekonstruieren. Als Implantate verwenden die Ärzte gewöhnlich silikonhaltige Kissen mit einer rauen Oberfläche.

Wenn die Haut nicht vom Krebs befallen ist, gibt es noch genug Haut und somit Volumen, in das das Implantat eingesetzt werden kann. Der Chirurg platziert das Implantat unter dem Brustmuskel (submuskulär), wodurch die Lage des Implantats stabiler ist und die Ränder nicht so leicht ertastbar sind.

Wenn eine hauterhaltende Amputation aufgrund der Ausdehnung des Krebses nicht erfolgen kann, behelfen sich Ärzte mit dem sogenannten Expander. Es handelt sich hierbei um eine Ballonprothese, die als Platzhalter in die Brust eingesetzt wird. Die Chirurgen können in den Expander Flüssigkeit spritzen, welche die Haut ausdehnt und so genug Platz für die gewünschten Implantate schafft.

Silikonimplantate sind zwar recht stabil und belastungsresistent, müssen aber nach etwa zwanzig Jahren ausgewechselt werden. Wenn Sie sich diese als junge Patientin einsetzen lassen, sollten Sie damit rechnen, dass eine zweite oder sogar eine dritte Operation zum Implantatwechsel notwendig wird.

Die Silikonimplantate gelten für die meisten Frauen als gut verträglich. Dennoch handelt es sich um einen Fremdkörper, den der gesunde Körper mit einer Bindegewebskapsel umschließt. Dies ist eine normale Reaktion. Als Komplikation gilt sie nur dann, wenn sich die Kapsel stark verhärtet, auf das Implantat drückt und Schmerzen auslöst. Dann spricht man von einer Kapselfibrose. Gegen das Druck- und Schmerzgefühl hilft nur ein Implantatwechsel mit der Entfernung des verhärteten Bindegewebes.

Rekonstruktion mit Eigengewebe  

Der Brustaufbau kann auch mit körpereigenem Gewebe erfolgen. Körpereigenes Gewebe als Auffüllmaterial ermöglicht eine deutlich weichere Brust als die Implantate. Die Operation ist hier allerdings komplizierter und dauert länger.

Denn die operative Entnahme von Muskellappen vom Rücken oder im Bauch und die anschließende Transplantation ist eine aufwändige Operation, die zusätzliche Narben am Entnahmeort hinterlässt und vor allem mikrochirurgische Erfahrung bei den Operateuren voraussetzt. Sie ist mit einem deutlich längeren Krankenhausaufenthalt und einer längeren Genesungszeit verbunden. Die Rekonstruktion mit Eigengewebe hat auch seine Grenzen: größere Volumina können nur mittels Implantaten erreicht werden. Bei der Eigenfettverpflanzung kommt als zusätzliches Risiko hinzu, dass Zysten und Verkalkungen entstehen können. Auch wenn die Eingenfett- oder Muskelverpflanzung zu einer weicheren Brust verhilft, müssen die behandelnden Chirurgen abwägen, ob die Risiken und der Aufwand dieser Methoden für ein weiches Tastgefühl tragbar sind. Die offiziellen ärztlichen Leitlinien empfehlen für den rekonstruktiven Brustaufbau die Implantate.

Rekonstruktion des Brustvorhofs und der Brustwarze 

Wenn bei der Operation auch die Brustwarze entfernt wurde, schließt sich einige Monate nach der Brustrekonstruktion noch die Nachbildung der Brustwarze an. Es handelt sich um einen vergleichsweise kleinen operativen Schritt, der dennoch große Präzision für ein natürliches Aussehen erfordert.

Für den Warzenvorhof verwenden die Ärzte dunklere Hautareale als Transplantate wie zum Beispiel Haut aus der Innenseite der Oberschenkel, der Leistenregion oder den Schamlippen. Dieser Hautausschnitt kann alternativ auch tätowiert werden. Spezielle Praxen, die sich auf medizinische Pigmentierung spezialisiert haben, können hier weiterhelfen. Auch die Brustwarze kann optische tätowiert werden.

Sie müssen bedenken, dass eine nachgebildete Brust oder auch Brustwarze nie Ihrer “normalen” Empfindsamkeit gleichkommen kann. Insbesondere die Brustwarzen reagieren nicht auf Berührung oder Temperatur. Ob die Kostenübernahme der Brustwarzenrekonstruktion durch die eigene Krankenkasse möglich ist, sollte im Vorfeld geklärt werden, da sie nicht von allen Kassen übernommen wird.

Wenn Sie sich gegen eine Brustwarzenrekonstruktion entscheiden, können Sie selbsthaftende Brustwarzenprothesen aufkleben. Diese sind im Sanitätshaus erhältlich.

Wenn Sie gar keine Brustrekonstruktion wünschen, können Sie dies natürlich auch gegenüber Ihren Ärzten äußern. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, um die Optik der fehlenden Brust auszugleichen: Epithesen und spezielle Büstenhalter mit Taschen, in die eine Schaumstoff- oder Silikonprothesen eingelegt wird, ermöglichen ein proportionales und symmetrisches Erscheinungsbild. Es gibt auch entsprechende Badeanzüge und Bikinis. Diese Hilfsmittel kann Ihnen Ihr Arzt verschreiben, die Kosten werden von den Krankenkassen aber nur teilweise übernommen. Sie müssen sich als bei Ihrer Krankenversicherung informieren, wie hoch Ihr Eigenanteil ist.

Nach der Operation

Die Chirurgen setzen direkt nach der Brustkrebsoperation gelochte Plastikschläuche in die Wundhöhlen, damit das Wundsekret abfließen kann. Sie verschließen die Operationsschnitte mit hauchdünnen Fäden, die sich im Gewebe auflösen oder nach zehn Tagen gezogen werden. Die Ärzte legen Ihnen außerdem einen Druckverband an, um Nachblutungen zu vermeiden. Bereits während der Operation verabreichen sie Ihnen antibiotische Medikamente, die eine Infektion vorbeugen sollen.

Sie wachen in einem Aufwachraum auf. Wenn Ihr Gesundheitszustand nach zwei Stunden unauffällig ist, verlegt das Pflegepersonal Sie auf die Station. Der Operateur kommt noch am selben Tag ins Zimmer, um Ihnen erste Ergebnisse der Operation mitzuteilen. Eine genauere Rückmeldung erhalten Sie vom Pathologen, der die Gewebeproben analysiert und die Resultate in einem Befund beschreibt. Es kann allerdings eine Woche dauern, bis der Befund des Pathologen da ist.

Nach der Operation werden Sie ein vermehrtes Spannungsgefühl in der Brust spüren und Schmerzen, die bis zu zehn Tage andauern. Danach klingen sie ab, sodass Sie wieder arbeitsfähig sind. Ein bis zwei Tage nach der OP werden die Wundschläuche entfernt. Ein paar Tage nach der OP erhalten Sie außerdem einen stützenden Büstenhalter für die Implantate, der drei Wochen lang durchgehend getragen werden sollte. Für weitere drei Wochen muss er zumindest am Tage getragen werden. Auf Push-Up-BHs sollte drei Monate lang verzichtet werden. Sie sollten jeglichen Druck auf die Brust möglichst vermeiden.

In der Regel können Sie nach einem Aufenthalt von fünf bis sieben Tage die Klinik verlassen. Für die nächsten zwei bis vier Wochen sollten Sie Ihren Körper zu Hause schonen. Sport und Hausarbeiten, die zu einer Überbeanspruchung der Arme und des Oberkörpers führen, sollten vermieden werden. Zudem sollten Sie beim Schlafen darauf achten, in den ersten sechs Wochen auf dem Rücken oder auf der Seite zu liegen. So wird ein Verrutschen der Implantate vermieden.

Die roten Narben im Brustbereich verblassen mit der Zeit und ihre Heilung kann mit Pflegecremes und Massagen unterstützt werden. Sechs Monate lang sollte eine UV-Bestrahlung durch Sonnenstrahlen verhindert werden.

Nach 30 Tagen bis einigen Monaten gilt die Heilung der Operation als abgeschlossen. Wenn sich eine Chemo- oder Strahlentherapie an die Operation anschließt, geht es bereits einige Wochen nach der Operation mit der Krebsbehandlung weiter.

Welche Komplikationen und Langzeitfolgen gibt es?

Nach einer Operation kann es unter anderem zu Blutungen, Entzündungen oder Wundheilungsstörungen kommen.

Die Entfernung der Achsellymphknoten kann zu einer Stauung der Lymphflüssigkeit und der Ausbildung eines Lymphödems an den Armen führen. Dann kann eine Lymphdrainage sinnvoll sein. In einem Brustzentrum erhalten Sie Tipps und Informationen, um Lymphödeme vorzubeugen.

Auf das operierte Gebiet sollte kein Druck ausgeübt werden, auch nicht durch Massagen, Blutdruckmessen und Blutabnahmen mit einem Armschlauch.
Ein leichtes aber konsequentes Training der Armmuskulatur wirkt Schwellungen entgegen. Schon während Ihres Klinikaufenthalts wird präventiv mit einer Übungsbehandlung für Arme und Schultern begonnen, um die Durchblutung und den Lymphfluss zu regulieren und Verspannungen zu lösen. Diese Übungen sollten unbedingt zuhause weitergeführt werden. Kribbelnde Arme, Schmerzen in der Achselhöhle oder Anschwellen des Armes samt der Finger sind erste Anzeichen eines Lymphödems.

In einem schweren Fall der Kapselfibrose kann die Kapsel so hart werden und sich verdicken, dass es zu weiteren Spannungen und Schmerzen in der Brust kommt. Durch die Spannung kann sich das Implantat verschieben. In diesem Fall ist der Chirurg gezwungen, die Verhärtungen zu entfernen und die Implantate zu ersetzen. In äußerst seltenen Fällen sind die Verhärtungen so stark ausgeprägt, dass die Implantate nicht verträglich sind. Dann kann man als rekonstruktive Möglichkeit die Eigengewebsverpflanzung (siehe oben) in Betracht ziehen. Sie können auch gänzlich auf Implantate verzichten und stattdessen auf Prothesen-BHs zurückgreifen.

Ein deutlich geringeres Risiko, das durch die Implantate verursacht wird, ist die Entstehung einer seltenen Lymphomenart (anaplastisches großzelliges Non-Hodgkin Lymphom, ALCL) an der rauen Oberfläche des Implantats.

Auch wenn sich Ihre Chirurgen bemühen, das bestmögliche und natürliche Resultat zu erzielen, kann es sein, dass Sie Ihre rekonstruierte Brust als fremdartig wahrnehmen. Es ist leider so, dass Ihre Brust trotz der Präzision, mit der die Ärzte arbeiten, nicht die Ihnen bekannte Konsistenz oder Empfindlichkeit besitzt. Es braucht Zeit, bis Sie sich nach der Ausheilung an die Optik und das neue Gefühl gewöhnen.

Rehabilitation und Nachsorge

Die Heilungschancen von Brustkrebs sind inzwischen groß. Dank moderner Therapien können heute auch komplizierte Brustkrebserkrankungen erfolgreich behandelt werden, sagt Prof. Dr. Kümmel, Direktor der Klinik für Senologie der Kliniken Essen-Mitte. Trotzdem ist die Therapie mit einer großen körperlichen und psychischen Belastung für die Patientin verbunden. Deshalb ist nach dem Klinikaufenthalt meist auch ein Aufenthalt in einer Rehaklinik vorgesehen. Angeboten werden in einer Rehaklinik nicht nur körperliche Maßnahmen, wie Sport- oder Physiotherapie, sondern auch psychische Unterstützungsprogramme oder eine Ernährungsberatung. Hier finden Sie empfehlenswerte Brustkrebs-Rehakliniken.

Tumornachsorge

In der Nachsorge geht es darum, einen möglichen neuen Tumor in der Brust oder im benachbarten Lymphknoten rechtzeitig zu erkennen. Dann kann eine effektive Behandlung angesetzt werden.

Außerdem dokumentieren die Ärzte mögliche Nebenwirkungen der Tumortherapie und wollen auch diese therapieren. Dazu zählt beispielsweise ein Anschwellen des Armes (Lymphödem) oder eine Kapselverhärtung. Auch schildern Patientinnen oftmals ein Müdigkeitssyndroms, auch Fatigue genannt. Es handelt sich hierbei um eine krankhafte Erschöpfung, die es Betroffenen erschwert, selbst den Alltag zu bewältigen. Bei insgesamt 80 Prozent der Patienten mit einer Krebserkrankung tritt Fatigue auf. Deshalb sollten Sie auch solche Beschwerden Ihrem Arzt vortragen.

In den ersten drei Jahren nach Abschluss der Brustkrebsbehandlung erfolgt die Nachsorge alle drei Monate. Im vierten Jahr finden die Kontrollen alle sechs Monate statt, danach jährlich. Ihr behandelnder Gynäkologe führt in der Regel die Untersuchungen durch. Er fragt Sie im Rahmen der Untersuchung auch nach ihrem körperlichen und seelischen Befinden. Weiterhin erfolgt die Kontrolle mit einem Ultraschall der Brust oder einer Mammografie.

Quellen

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AMWF online. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf. Zuletzt abgerufen am 25.10.2021. 

Apothekenumschau. Operation bei Brustkrebs. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/krebs/brustkrebs-mammakarzinom-734967-mehrseiter-8-operation.html. Zuletzt abgerufen am 25.10.2021.

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