Hüftprothese
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Manchmal helfen alternative Behandlungsmethoden, wie Gelenkspritzen oder Osteopathie nicht mehr weiter, dann wird eine Operation im Klinikum notwendig. Die meisten Patienten können nach der Implantation einer Hüftprothese wieder schmerzfrei gehen. Hier steht, welche Chancen und Risiken mit einer Operation verbunden sind.

Wann ist eine Hüftprothese notwendig?

Wie alle großen Gelenke ist auch das Hüftgelenk mit einer Knorpelschicht überzogen. Der Knorpel erlaubt eine Schmerzfreiheit beim Bewegen, weil er Stöße und Druck dämpft. Ist der Gelenkknorpel jedoch extrem verschlissen, wird ein Hüftgelenkersatz (Endoprothese) notwendig.

Häufig ist eine Hüftarthrose, also die Degeneration des Gelenkes, die Ursache für den Gelenkverschleiß und den damit verbundenen Schmerz beim Gehen. Eine Hüftprothese kann aber auch bei einer Hüftkopfnekrose oder nach einem Oberschenkelhalsbruch notwendig werden. In jedem Fall sollte vor der Operation die zweite Meinung eines fachkundigen Arztes eingeholt werden.

Welche Hüftprothesen sind die besten?

Eine einfache Frage, auf die es nur diese relative Antwort gibt: Es kommt darauf an. Zur Veranschaulichung zwei Beispiele:

Angenommen bei einem 55-jährigen Mann wird eine künstliche Hüfte notwendig. Er leidet unter einer starken Bewegungseinschränkung. Die jahrzehntelange Überkopfarbeit in einer Montagehalle hat seine Hüfte nachhaltig geschädigt.

Ein Orthopäde wird in diesem Fall zu dem Einsatz einer zementfreien Oberflächenersatzprothese raten. Der Grund: Die Lebenserwartung des Mannes liegt über der Tragezeit einer Hüftprothese von in der Regel 15 bis 20 Jahren. Damit wird ein späterer Prothesenwechsel wahrscheinlich. Bei der zementfreien Oberflächenersatzprothese wird der Oberschenkelhals und der Oberschenkelkopf erhalten. So kann bei einer späteren Revision der gesamte Oberschenkelknochen für die Verankerung der Hüftprothese verwendet werden.

Ein zweites Beispiel: Eine 81-jährige Patientin leidet unter einer steifen Hüfte aufgrund von Hüftarthrose. Der Verschleiß des Gelenkknorpels ist schon so weit fortgeschritten, dass sie sich nicht mehr ohne Schmerzen bewegen kann.

Der Orthopäde hat nach einer Messung der Knochendichte und nach einer Untersuchung des Knochenstoffwechsels festgestellt, dass der Knochen nicht mehr vital ist. Deshalb rät er der Patientin zu einer zementierten Prothese. Dabei wird der Prothesenschaft mit Knochenzement im Röhrenknochen fixiert. Der Nachteil: Sollte eine Prothesenwechseloperation in 15 oder 20 Jahren notwendig werden, sind die Kunststoffkomponenten schwer zu entfernen und können nur von fachlich versierten Orthopäden vorgenommen werden. Der Vorteil: Dadurch dass der Zement unmittelbar nach der Operation aushärtet, ist eine Vollbelastung der Prothese an Tag 1 nach der Operation möglich. Gerade ältere Patienten profitieren von der kurzen Rehabilitationszeit.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

  • zementierten Prothesen
  • zementfreien Prothesen
  • Hybridprothesen (Kombination aus zementfreier und zementierter Prothese)

Vorbereitung auf die OP

Mindestens zwei bis drei Wochen vor der Operation sollten Sie damit beginnen, sich körperlich zu bewegen. So wird die Durchblutung des Gewebes gefördert, dies unterstützt eine komplikationsfreie Wundheilung nach der OP. Es bieten sich sanfte Aktivitäten wie Radfahren oder Aquajogging an.

Außerdem raten Ärzte dazu, auf die Genussgifte Alkohol und Nikotin zu verzichten und weniger Süßigkeiten und Kohlenhydrate zu essen. Gut sind nährstoffreiche, vitaminreiche und eiweißreiche Lebensmittel.

Um zu entscheiden, welche Prothesenform und Verankerung bei Ihnen ratsam ist, werden Sie eingehend körperlich untersucht. So wird etwa Ihre Knochendichte gemessen. Auch eine Wirbelsäulenmessung führt der Arzt durch und bestimmt die Beinlänge, um die Prothese später ideal einzupassen.

Sind alle Voruntersuchungen abgeschlossen, erstellt der Arzt anhand der Röntgenbilder eine computergestützte Planungsskizze Ihrer Prothese. An dieser orientiert er sich bei der Operation. Auch zu diesem Zeitpunkt können Sie sich eine Zweitmeinung einholen. Ist die angedachten Prothese die beste für Sie? Ein kluger Arzt weiß viel, zwei kluge Ärzte wissen mehr. Es geht um Ihre Gesundheit!

Klassische vs. minimal-invasive Operation

Eine künstliche Hüfte kann auf verschiedene Weise eingesetzt werden. Man unterscheidet zwischen einer klassischen und einer minimal-invasiven Operationsmethodik.

Bei der klassischen Hüft-Op setzt der Chirurg einen Schnitt am seitlichen oder hinteren Oberschenkel. Anschließend durchtrennt er einen Teil der Oberschenkelmuskulatur und der Sehnen, um den Zugang zum Hüftknochen zu erhalten. Nun kann er das krankhafte Knochenmaterial entfernen und das Implantat einsetzen. Dadurch dass mehrere Muskeln durchtrennt wurden, dauert die Rehabilitationsphase nach der klassischen Hüft-Operation länger als bei einem minimal-invasiven Eingriff. Der Vorteil der offenen Hüft-OP: Der Operateur hat eine bessere Übersicht über das Operationsfeld. Damit ist die Gefahr einer Fehlpositionierung der Prothesenteile geringer.

Bei einer minimal-invasiven Operation, auch Schlüsselloch-Operation genannt, benötigt der Chirurg spezielles Instrumentarium und Hilfsmittel, das über kleinere Hautschnitte eingeführt wird. Der Chirurg operiert gezielt durch die Muskeln und Sehnen hindurch, ohne sie zu beschädigen. Dadurch entfällt nach der Hüft-OP die langwierige Heilung der Muskulatur. Da diese Methode ein großes Maß an Erfahrung und Fingerspitzengefühl voraussetzt, empfiehlt es sich ein Krankenhaus auszuwählen, in dem die Implantation einer künstlichen Hüfte häufig durchgeführt wird und die Ärzte entsprechend erfahren sind.

Eine minimal-invasive Operation ist nicht bei allen Patienten möglich. Bei zu muskulösen oder adipösen Patienten bietet sich dieses Verfahren nicht an. Auf lange Sicht ist die klassische und die minimal-invasive Operation gleichwertig. Nach spätestens einem Jahr gibt es keine Unterschiede mehr zwischen beiden Eingriffen.  

Die AMIS-Technik

Eine bei Patienten oft nachgefragte minimal-invasive OP-Methode ist die AMIS-Technik. Die Abkürzung AMIS steht für „Anterior Minimally Invasive Surgery“ (vordere minimal-invasive Operationstechnik). Der operative Zugang zum Hüftgelenk erfolgt hier von vorne, nicht von der Seite oder von hinten. Genau wie bei anderen minimal-invasiven Operationsmethoden arbeitet der Operateur bei der AMIS-Methode durch eine natürliche Muskellücke hindurch, ohne Muskeln und Sehnen zu durchtrennen. Allerdings operiert er genau an der Grenze zwischen zwei Nerven-Versorgungsgebieten, dadurch ist die Verletzung von Nervenästen so gut wie unmöglich.

Studien zeigen gute Ergebnisse nach einer Operation mit der AMIS-Technik. Deshalb ist dieses Verfahren zu empfehlen. Voraussetzung ist hier natürlich, dass ein erfahrener Chirurg operiert und operiert werden kann. Bei manchen schweren Verformungen des Gelenks durch angeborene Fehlstellung des Beckens kann zum Beispiel ein anderer Operationszugang zum Gelenk nötig sein.

Risiken der Operation

Die meisten der beschriebenen Komplikationen werden heute gut beherrscht. Vorbeugende Maßnahmen verhindern die Risiken zudem erheblich. Dennoch sollten Sie sich mit den Operationsrisiken beschäftigen, denn so können Sie für sich entscheiden, ob die Einschränkungen Ihrer Lebensqualität so erheblich sind, dass sie die Inkaufnahme eines Komplikationsrisikos rechtfertigen.

Entzündung (Infektion)

Es kann sein, dass Sie sich im Rahmen der Operation eine Infektion einfangen. Wenn es den Krankenhauskeimen gelingt, bis zur Oberfläche der Prothese vorzudringen, können sie sich dort am Metall einnisten. Die Prothese wird zum Fremdkörper, der zu einer Vermehrung der Bakterien führt und die Infektion verstärkt. Der Prozess wird erst zum Stillstand kommen, wenn alle Prothesenteile entfernt worden sind. Die Infektion kommt in weniger als 1 Prozent der Operationen vor.

Blutgerinnselbildung (Thrombose)

Wie bei allen Operationen kann es auch bei einer Hüft-TEP zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) kommen. Patienten, die an einer Thrombose leiden, haben akute Schmerzen im Bein. Im schlimmsten Fall kann es zum Abreißen von Blutgerinnseln und ihrer Verschleppung in die Lunge kommen. Eine lebensbedrohliche Lungenembolie ist die Folge. Da die Thrombose eine typische Komplikation bei größeren Eingriffen ist, wird ihrer Vermeidung in den ersten Wochen nach der OP eine besondere Beachtung geschenkt.

Gelenkausrenkung (Luxation)

In seltenen Fällen kann ein künstliches Hüftgelenk herausspringen (luxieren). Besonders in den ersten Wochen nach der OP besteht dieses Risiko, da es noch keine neue stabile Kapsel gibt und die Muskeln noch geschwächt sind. Auch hier können Sie durch die Beachtung bestimmter Verhaltensregeln mithelfen, eine Gelenkausrenkung möglichst zu vermeiden. Diese wird der Physiotherapeut oder die Physiotherapeutin nach der OP mit Ihnen besprechen.

Knochenbrüche (Frakturen)

Beim Einsetzen der Prothese kann es zu Knochenrissen (Frissuren) oder einem Knochenbruch (Fraktur) kommen. Die Gefahr besteht insbesondere bei zementfreien Prothesen. Der Patient darf das Bein bis zur Ausheilung des Risses bzw. des Bruches dann nicht belasten (in der Regel sind es sechs Wochen). Es kann auch sein, dass Sie nach der Operation stürzen und sich dadurch einen Knochenbruch zuziehen. Dann muss erneut operiert werden. In der Regel sind zum Beispiel bei einem Oberschenkelhalsbruch längere Entlastungszeiten von sechs Wochen bis zu drei Monaten erforderlich. Tragen Sie nach der OP gutes Schuhwerk, das hilft bei den glatten Böden im Klinikum.

Nervenschäden

Selten kann es zu Verletzungen größerer Nerven oder Gefäße kommen. In der Regel werden Nerven nicht durchtrennt, sondern nur gedehnt und gequetscht, deshalb sind die Nervenschäden nur von vorübergehender Dauer und die Funktionen der gelähmten Muskulatur kehrt zurück.

Beinlängenunterschied

Trotz exakter Planung, die mithilfe spezieller Schablonen am Röntgenbild vorgenommen wird, kann es zu unterschiedlichen Beinlängen nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks kommen. Vielleicht handelt es sich aber auch nur scheinbar um einen Unterschied. Denn nach der Operation ist ihr Weichteilgewebe angeschwollen, also das Fettgewebe, das Muskelgewebe und das Bindegewebe, sodass es zu einer Fehlwahrnehmung kommen kann. Sprechen Sie Ihren Operateur an, wenn Sie glauben, dass ihre Beine nach der OP unterschiedlich lang sind. Er kann durch eine Untersuchung feststellen, ob eine Beinverlängerung vorliegt. In der Regel ist eine Beinverlängerung bis 2 cm aber unerheblich. Sie kann durch eine Erhöhung der Schuhsohle ausgeglichen werden.

Insgesamt sind neun von zehn Menschen längerfristig mit ihrem künstlichen Hüftgelenk zufrieden. Die Schmerzen gehen zurück, die Gelenkfunktion verbessert sich und eine schmerzfreie Bewegung ist wieder möglich. Etwa 10 Prozent der operierten Menschen haben auch weiterhin Schmerzen beim Gehen.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Oft beginnt bereits am ersten Tag nach der Hüft-OP die Physiotherapie im Krankenhaus. Meist geht es den Patienten schnell besser, dass sie bereits nach einigen Tagen wieder selbstständig duschen können. Nach sieben bis zehn Tagen ist in der Regel die äußere Wundheilung abgeschlossen, sodass der Arzt die Fäden zieht und den Patienten aus dem Krankenhaus entlässt.

Die anschließende Rehabilitation kann stationär oder ambulant erfolgen. Wichtig ist, dass Sie sich für eine Rehaklinik entscheiden, die auf Orthopädie spezialisiert ist. In der Reha lernen Sie wichtige Verhaltensregeln, um das Risiko für Komplikationen zu senken und treiben den Muskelaufbau mit gezielten Übungen voran.

Hüft-Operationen in Deutschland im Jahr 2019

Wie lange die Rehabilitationsphase dauert, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Unmittelbar nach der Operation sollten Sie es vermeiden, schwere Lasten zu heben und die Treppe ohne Hand am Geländer hinauf- oder hinunterzusteigen. Auch andere Verhaltensweisen, die das neue Hüftgelenk schädigen können, sollten vermieden werden, wie ein tiefes Sitzen auf dem Sofa, das Übereinanderschlagen der Beine oder die Drehung des Oberkörpers bei feststehenden Beinen. Der behandelnde Arzt im Klinikum wird Sie umfassend aufklären, worauf zu achten ist.

Insgesamt kann es bis zu einem Jahr dauern, bis Sie sich an die Hüftprothese gewöhnt haben. In diesem Zeitraum kann es zu ungewohnten Empfindungen, Geräuschen und einer Wetterfühligkeit im Hüftbereich kommen. Je nach Beruf und OP-Methode sind Sie nach etwa zwei bis drei Monaten wieder arbeitsfähig.

Leben mit einer Hüftprothese

Die Haltbarkeit einer Prothese liegt zwischen 15 und 20 Jahren – viele Patienten tragen die Hüftprothese aber noch länger. Wenn sich die Gelenkköpfe lockern, weil sich zum Beispiel die Knochenstruktur ändert, muss die Prothese ausgewechselt werden.

In Absprache mit Ihrem Arzt dürfen Sie auch mit einer künstlichen Hüfte wieder Sport treiben. Dabei empfiehlt es sich, eine gelenkschonende Sportart zu wählen, wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern. Aber es geht auch anders. Heidi Rauch hat sich ein Jahr nach der Implantation von gleich zwei künstlichen Hüften die Skier angeschnallt und ist die Abfahrt hinunter gebraust. Wie sie die Operation und die Zeit danach erlebt hat, erzählt sie hier.