Bild generiert mit KI (ChatGPT/DALL-E)

Sollte man nach einem Herzinfarkt fasten? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Halle beschäftigt und kommen zu einem eindeutigen Schluss. 

Ein Beitrag von Susann Ernst und Lukas Hoffmann 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Zeit lang auf Nahrung zu verzichten. Beim klassischen Fasten wird empfohlen, über mehrere Tage gar nichts zu essen und nur Wasser und Kräutertee zu trinken. Eine solche radikale Diät ist für Menschen mit einem schwachen Herzen aber nur bedingt geeignet, da der völlige Verzicht auf Nahrung verschiedene Nebenwirkungen haben kann. Zum Beispiel kann der Kaliumspiegel sinken, was unter Umständen Herzrhythmusstörungen nach sich zieht.

Doch wie wirkt sich eine leichtere Form des Fastens – das Intervallfasten – auf die Herzgesundheit aus? Das wollten Forscher der Universität Halle herausfinden. In ihrer Studie „Intervallfasten nach Myokardinfarkt” untersuchten sie, ob Intervallfasten – also der 16-stündige Verzicht auf Nahrung – nach einem Herzinfarkt die Regeneration des Herzens verbessert und so einer Herzschwäche vorbeugen kann. Das Team der Universität Halle untersuchte 48 Personen nach einem schweren Herzinfarkt und teilte sie in zwei Gruppen ein.

In der einen Gruppe aßen die Teilnehmer wie bisher, in der anderen Gruppe wurde Intervallfasten nach der 16:8-Methode durchgeführt. Bei dieser Methode wird 16 Stunden am Stück gefastet und nur in einem Zeitraum von acht Stunden, zum Beispiel von 13 bis 21 Uhr, gegessen. In dieser Zeit gibt es keine Einschränkungen, was gegessen werden darf.
Nach einem Monat und nach drei Monaten untersuchten die Forscher die Herzfunktion und stellten fest, dass die Personen, die intermittierend gefastet hatten, ein gesünderes Herz hatten als diejenigen, die normal gegessen hatten.

So verbesserte sich die Pumpfunktion der linken Herzkammer, die so genannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, um durchschnittlich 6,636 Prozent, während sie sich bei den normal ernährten Patienten nur um 1,450 Prozent verbesserte. Außerdem hatten die fastenden Patienten einen niedrigeren Blutdruck und verloren an Gewicht.

Wie verändert das Fasten die Zellen?

Beim Fasten wird ein grundlegender biologischer Prozess angeregt, die Autophagie. Dabei handelt es sich um eine Art Recyclingprogramm, das es dem Körper ermöglicht, beschädigte oder überflüssige Zellbestandteile abzubauen und die gewonnenen Moleküle wieder zu verwenden. Damit spielt die Autophagie eine zentrale Rolle beim Zellschutz und kann als eine Art Anti-Aging-Programm betrachtet werden. Autophagie findet auch ohne Fasten statt, nimmt aber mit zunehmendem Alter ab, was zu einer Anhäufung von Zellschäden und erhöhter Krankheitsanfälligkeit führt.

Inzwischen haben Studien gezeigt, dass Intervallfasten nicht nur beim Abnehmen hilft, sondern sich auch positiv auf Bluthochdruck und Cholesterinwerte auswirkt. Allerdings sollten Herzpatienten vor Beginn einer solchen Ernährungsumstellung ihren Arzt konsultieren. Denn Menschen mit Herzinsuffizienz, die sich täglich wiegen, um Flüssigkeitsansammlungen im Körper frühzeitig zu erkennen, können sich bei einer Gewichtsabnahme nicht mehr auf das Wiegen verlassen. Auch die Dosis der Medikamente muss unter Umständen angepasst werden, weil durch die Gewichtsabnahme, den verbesserten Insulinhaushalt und den Rückgang der Entzündungen im Körper der Blutdruck sinken kann.


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