Bild generiert mit KI (ChatGPT/DALL-E)

Wann sollten Patienten ihre Blutdrucktabletten einnehmen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen? Diese Frage beschäftigt seit einigen Jahren die kardiologische Wissenschaft in Europa.

Text: Susann Ernst und Lukas Hoffmann

Auslöser für die Frage nach dem optimalen Einnahmezeitpunkt war eine randomisierte spanische Studie, bei der die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die Studienautoren fanden heraus, dass Patienten mit Bluthochdruck, die ihre Medikamente abends einnahmen, ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen hatten als diejenigen, die ihre Tabletten morgens schluckten.

Mit einer ebenfalls großen, randomisierten Studie widerlegten britische Forscher einige Jahre später die Ergebnisse ihrer spanischen Kollegen. Unabhängig davon, ob die Studienteilnehmer ihre Blutdrucksenker zwischen 6 und 10 Uhr morgens oder zwischen 20 und 24 Uhr abends eingenommen hatten, waren die Ergebnisse ähnlich. Herzinfarkte, Schlaganfälle und vaskulär bedingte Todesfälle waren in beiden Gruppen vergleichbar häufig.

Damit stand es 1:1. Eine Pattsituation. Nach dem ESC-Kongress in London, dem größten Kardiologenkongress der Welt, hat sich die Wissenschaft 2024 vorläufig festgelegt. Der Zeitpunkt der Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten hat keinen Einfluss auf das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse. Und zwar unabhängig davon, ob Menschen aus der Allgemeinbevölkerung oder Bewohner von Pflegeheimen die Tabletten einnehmen. Diese Aussage stützt sich auf eine dritte große Studie, die auf dem Kongress vorgestellt wurde und in der ebenfalls kein Zusammenhang zwischen dem Einnahmezeitpunkt und der Häufigkeit von Komplikationen nachgewiesen werden konnte. Der Tipp der ESC-Forscher deshalb: Nehmen Sie Ihre Blutdruckmedikamente dann ein, wenn Sie am wenigsten Gefahr laufen, sie zu vergessen. 


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